die Zeit vergeht .... 2005

 

ältere Berichte über unsere beiden Neuzugänge Semi und Mathilda

1. Bericht nach 3 Wochen:

Datum: 03.05.05 


Ich fange mal mit unserer Lady an. Sie hat sich mit der Dackeline angefreundet und verträgt sich auch mit dem Großen halbwegs. Wenn uns Mathilda mit meinem Mann im Büro besuchen kommt, freut sich Lady und führt einen Tanz auf. Lady ist inzwischen eine verträgliche, umgängliche und freundliche Hündin geworden. Sie jammert nicht mehr, sie hat wieder Spaß am Spielen, die Trauerphase um Asko ging mit dem Einzug von Mathilda schnell vorbei.

Mathilda hat schön abgespeckt, wiegt derzeit 9,4 Kg, an das Idealgewicht (ca. 8 Kg) wird die kleine Maus wohl nicht mehr herankommen. Immerhin erkennt man wieder Konturen und sieht kein Mini -Fässchen auf 4 krummen Beinchen auf sich zu wackeln.
Sie machte uns in den letzten 14 Tagten wirklich Kummer mit ihrer Gesundheit. Das Dackelchen hat wohl nur darauf gewartet in eine Familie zu kommen, um krank zu werden. Zuerst holte sie sich eine Mandelentzündung mit Dauerhusten und im Anschluss daran hatte sie sich eine Blasenentzündung eingefangen. Danach wurde sie übergangslos läufig und zu der Läufigkeit kam eine Gebärmutterentzündung hinzu. Diese ist jetzt so langsam am ausklingen. Mittlerweile ist die Kleine aber Nachts wieder dicht und auch tagsüber wird es erheblich besser. Der Miniwuff ist trotz allem ein fröhlicher, kleiner Schmusehund, der uns auf Schritt und Tritt an den Fersen klebt, wenn sie nicht gerade an Semis Seite unterwegs ist. Mathilda hat Semi zu ihren großen Beschützer ernannt, wo er ist, ist sie auch nicht weit entfernt. Was ihm zwar sichtlich stinkt, er duldet aber das sie mehr oder weniger aufdringlich hinter ihm herwackelt.

Semi.... Sturkopf und Meckerhund, der in seiner Angst und seinem Dickkopf auch schon mal recht heftig mit den Zähnen zugreift, mausert sich langsam, er ist auf dem besten Weg zum "Fast-Normal-Hund". Er geht nicht mehr jedes vorbeifahrende Auto mit Gebell an, er versucht nicht mehr jeden LKW anzuspringen und er geifert nicht mehr jedem Motorrad hinterher. Fußgänger akzeptiert er inzwischen mehr und mehr, Kinder wedelt er freundlich an, solange sie ihn nicht betatschen oder foppen. Das Thema mit dem Sofa klappt noch nicht so ganz, er soll nicht hoch, er versucht es halt immer mal wieder.. wenn er müde ist, brummt er unwillig und schnappt dann in die Luft. Er schnappt nicht mehr nach der Hand und er dreht nicht mehr völlig am Rad, wenn es draußen dunkel wird. Er macht im Grunde sehr große Fortschritte im Alltag, auch wenn man ihm oft seine Angst noch ansieht. Semi reagiert auf ruhige Worte, lässt sich mit "Nein" von seinen Vorhaben abbringen und mit "Es ist alles o.k." auch beruhigen....

Mit Geduld, Zeit und Ruhe erreicht man bei ihm mehr, als mit Strenge und harter Hand, sowie Kommandos. Inzwischen kann der Sturkopp hin und wieder "Sitz", gelegentlich schafft er auch schon "Platz", auf "Komm" reagierte er von Anfang an, wenn auch nicht immer. Er kann so lieb sein, er kann so stur sein und er kann so giftig werden. Aber eins ist er trotz allen Eigenwillens doch immer wieder: ein Schmusehund!

Mit Lady, Chica und Mathilda hat er keinen großen Vertrag, aber er akzeptiert das sie da sind, er wedelt die Mädchen auch mal freundlich an, im Großen und Ganzen interessieren sie ihn aber wenig. Mit Chica vertragen sich alle Hunde gut, sie löst ihre Probleme mit anderen Wedlern auf ganz einfache Art: Sie wedelt und geht weg.

Das Rudel hat sich gefunden, arrangiert und auch wenn es hin und wieder noch großes Gebrumme gibt... es klappt schon ganz gut. Einzig und allein beim Füttern muß ich höllisch aufpassen, denn futterneidisch sind alle drei, bzw. vier Wuffs.

2. Bericht nach 6 Monaten

Datum: 10.10.05

Es gab Phasen, da hätte man verzweifeln können, gerade Semi betreffend. Es gab Phasen, da dachten wir, jetzt hat er?s kapiert, nur damit er uns gleich darauf das Gegenteil beweisen konnte. Es gab und gibt immer noch Tage, da sitzen wir vor diesem Hund und überlegen uns, was geht in diesem Querschädel nur vor.

Ganz anders die kleine Dackeline.
Mathilda, klein Tildi, kam am 10.04.05 bei uns zur Haustür herein und war sofort ?angekommen?. Sie war direkt eingezogen, war sich sicher - von einer Sekunde zur anderen - zur Familie zu gehören. Sie machte zwar auch kleinere Problemchen, aber das gab sich dann im laufe der Zeit. Die Minimaus hatte gleich zu Anfang mit mehreren Sachen gesundheitliche Probleme, die wir aber auf die Umstellung ihres ganzen Lebens und das zur Ruhe kommen des Hundchens zurück führen konnten. Tildi wurde nach einer Mandelentzündung, einer Blasenentzündung und nach einer Gebärmutterentzündung ohne Übergang läufig. Den kleinen Wuffel hatte es gleich in den ersten 6 Wochen bei uns voll erwischt und mit der Hitze kam eine Phase, in der das Hundemädchen wirklich nervig wurde. Sie ?bestieg? alles und jeden, konnte stundenlang auf dem kleinen Po durch die Gegend dotzen und bellte dabei in den schrägsten Tönen. Das ging gottlob mit dem Ende der Läufigkeit auch vorbei. Als sie kam war sie mehr als nur mollig, mit weit über 13 Kilo war das Dackelchen viel zu schwer. Heute wiegt sie 8,2 Kg und fegt wie ein junger Hund durch die Gegend. Vor rund 5 Wochen musste das Hundchen am Auge operiert werden, was sie super gut überstand und uns nicht eine Sekunde übel nahm. Lady umsorgte unsere Kleinste nach der OP liebevoll, bewachte das Dackelchen und stand mehr oder minder ständig hinter ihr, sobald Tildchen auch nur drei Schritte machte. Tildi hat sich sehr an Semi angeschlossen, scheint den großen braunen Hund als eine Art ?großer Bruder? zu betrachten, der auf sie aufpaßt. Wo Semi ist, ist Tildchen nie weit entfernt. Zu Lady besteht eine andere Art der Bindung.

Während unsere Lady die Kleine liebevoll bemuttert, verwöhnt und zärtlich mit ihr umgeht, sieht Tildchen die Mittlere als eher lästig. Lady fordert Tildchen oft zum spielen heraus. Tildi guckt, setzt sich hin und ignoriert die Spielaufforderungen, sie kuschelt aber öfter an unserer Mittleren an, sucht dann die Wärme von unserer Lady. Mathilda hat offensichtlich niemals spielen gelernt. Die Nächte verbringt Tildi als Einzige von den Dreien unten in Flur und Küche, wo sie zwei Körbchen und ein weiches Kissen zur Auswahl hat. Sie begreift einfach nicht mehr, dass man auf Teppichböden nicht pieselt. Tagsüber ist sie soweit sauber, aber Nachts geht schon mal was daneben. Und weil sie so völlig unauffällig meldet, dass sie mal raus muss, merken wir es häufig erst dann, wenn?s irgendwo ein Pfützchen gegeben hat. Tildi stellt sich ungefähr eine halbe Minute vor die Tür, völlig still, sie macht sich überhaupt nicht bemerkbar. Reagiert dann keiner auf ihr stilles Anzeigen, oder sieht es keiner weil sie z.B. vor der Haustür im Flur steht, oder in der Küche vor der Terrassentür, dann geht?s daneben. Semi dagegen ist absolut sauber, er meldet sich durch Kratzen an der Haustür oder wenn er Nachts mal dringend raus muss, durch Kratzen am Gitter das vor seiner Tür ist. Auch Lady meldet laut, wenn sie ausserplanmäßig
mal raus will. Semi, der in den ersten Tagen ja nur aus Mißtrauen und Zähnen bestand, hat sich innerhalb der Familie inzwischen gut eingelebt. Er darf nach wie vor nicht aufs Sofa, da er immer noch Schwierigkeiten macht, wenn er rücken oder runter gehen soll. Allerdings sind diese Schwierigkeiten heute doch ganz anderer, harmloserer Art, als zu Anfang. Heute motzt er zwar lautstark und brummelt vor sich hin, aber er geht dann vom Sofa, ohne das ich ihn am Halsband nehmen und herunter ziehen muss. Damals zeigte und benutzte er sein Gebiß, an ein Angreifen des Hundes war in solchen Momenten überhaupt nicht zu denken. Er hat begriffen, dass er allein in den Garten kann, ohne ausgesperrt zu werden, er hat begriffen, er darf immer wieder ins Haus zurück. Er hat inzwischen gelernt, auch bei Dunkelheit mit uns rauszugehen, auch ohne uns traut er sich mittlerweile im Dunkeln auch alleine auf kurze Gartenrunden. Das wäre, als er bei uns ankam, für ihn nicht denkbar gewesen. Seinen Schlafplatz hat er nach wie vor in meinem kleinen Bürochen unter dem großen Wandregal, er mag keine Hundekörbe und hat sich ein altes Kissen als Ruhestelle ausgesucht. Damit er alles mitbekommt und sich nicht weggesperrt fühlt, haben wir für den Hundeherren ein Türgitter angebracht. Denn in der Nacht möchte ich ihn nicht ohne Aufsicht durchs Haus laufen haben, er ist immer noch sehr sprunghaft in seinen Launen und lässt gelegentlich den Big Motz heraus hängen, notfalls zeigt er auch mal Zähne. Doch so renitent wie zu Anfang ist er längst nicht mehr. Sahen wir in den ersten Tagen am Abend nur Zähne und hatten wir in den ersten Tagen einen sehr angstaggressiven Hund zu bändigen, zeigt er jetzt immer häufiger das er doch eigentlich ganz gern bei uns ist. Er fordert nicht mehr ständig Abstand, im Gegenteil, inzwischen sucht er unsere Nähe. Er kommt auch mal von sich aus zum Schmusen, lässt sich seit wenigen Wochen auch den Bauch kraulen. Als ständiger Begleiter für mich zur Arbeit, ist er eigentlich ideal. Sehr wachsam liegt er im Büro, er hat immer alles im Blick, meldet zuverlässig jeden Fremden der herein möchte und hat inzwischen gelernt, dass nicht jeder Mensch ihm etwas böses will. An meinem Kollegen Konrad hängt er sehr, während er Janek zum fressen gern hätte, würde man ihn lassen. Allgemein ist bei Semi das Problem ?Mann? erheblich besser geworden. Auch im Straßenverkehr bot er uns zu Anfang erhebliche Probleme, er wollte jedes Auto, jeden LKW, jeden Fussgänger anspringen. Auch heute passe ich unterwegs mit ihm immer höllisch auf, dass nicht zuviel auf ihn einstürmt. Doch Semi ist inzwischen deutlich ruhiger geworden, geht zwar immer noch sehr angespannt und aufmerksam mit uns an den Straßen, aber seine Attacken auf alles und jedes sind sehr viel weniger geworden. Seit Anfang letzter Woche fordert er Lady ungelenk und unsicher immer mal zum spielen auf. Er würde ja gern, hat aber keine Ahnung wie er es anfangen soll. Semi rennt mit ihr eine Runde durch den Garten, bricht aber das Spiel unsicher ab, sobald Lady ihn im Übermut anspringt. Mit uns spielt er inzwischen nicht nur auf Aufforderung von uns, sondern er bringt hin und wieder seine Spielsocke freiwillig an, fordert uns auf. Wir gehen nicht immer darauf ein, damit er nicht wieder Oberwasser bekommt. Alles in allem hat sich das Verhalten von diesem Hund in den 6 Monaten schon sehr verbessert, auch wenn er uns immer wieder überrascht mit irgendwelchen Aktionen, ernsthaften Schaden hat noch niemand erlitten. Seine ?Austicker? haben sich stark reduziert, allerdings kommen sie hin und wieder noch vor. Man muss ihn wirklich sehr gut beobachten, um ihn dann rechtzeitig im Griff zu haben. Im August bei einer Feier hätten wir die Aufmerksamkeit nicht haben können und haben Semi zur Sicherheit der Gäste, mit einem Maulkorb gesichert, ins Gewühl gelassen. Semi machte keine Anstalten diesen Maulkorb abzustreifen, oder irgendwen anzugreifen, obwohl reichlich Männer in seiner Nähe waren. Er verhielt sich völlig normal, ohne Angst, ohne Hemmungen ging er durch die Leute und lies sich auch bereitwillig streicheln. Das er allerdings immer mal wieder neben der Spur tickt, hat er uns im Tierheim bei einem kleinen Fest gezeigt. Der Hundetrainer des Tierheims schmuste mit Semi mehrfach. Er ging mehrfach an ihm vorüber, ohne das Semi auch nur den Kopf gedreht hätte. Als der Hundetrainer allerdings von der anderen Seite und sehr dicht an mir und Semi vorbei wollte, griff Semi ohne Vorwarnung zu. Der Hund zeigte das Verhalten, was er uns schon des öfteren gezeigt hatte. Ohne Mimik, ohne Grollen, ohne jegliche Vorwarnung schnappte er zu. Es ist nichts passiert, die Hose blieb ganz, darunter gab es allerdings blaue Flecke. Warum Semi so plötzlich zuschnappte? Es gibt zwei Möglichkeiten was diese Reaktion ausgelöst haben könnte. Entweder war ihm der Hundetrainer zu dicht an mir, oder Semi hatte wieder einmal zuviel zu gucken und zu verarbeiten und brauchte ein Ventil für die Anspannung die sich angesammelt hatte. Der Hundetrainer nahm es gelassen, ich weniger, denn so etwas darf einfach nicht vorkommen. Nirgends und zu keiner Zeit. Es war ganz klar mein Fehler, ich hätte Semi besser sichern müssen, abschotten vor den Leuten. So etwas passiert nicht wieder.

Wir hatten an diesem Tag alle drei Hunde mit im Vereinsheim. Tildchen war der Streichelhund schlechthin und als wir am Abend zurück waren, hatte ich das Gefühl die kleine Maus ist bereits übersatt. Lady lief ebenfalls frei im Vereinsheim herum, wuselte hauptsächlich rund um die Kuchentheke, lies sich von jedem streicheln und tapperte von Tisch zu Tisch. Sie ist und bleibt verfressen, unsere süße Hundedame mit den Flecken im Fell. Lady selbst hat sich in den vergangenen 6 Monaten sehr an die beiden anderen Hunde gewöhnt. Sie umsorgt unsere Kleinste, versucht den Großen zum spielen zu animieren, Lady geht sehr selbstbewußt dazwischen, wenn der Große die Kleine umzurennen droht und sie zeigt Semi sehr klar, wo seine Grenzen sind, wenn er sich mal wieder gegen uns aufschaukelt oder wie ganz zu Anfang, versucht mich von hinten anzuspringen. Sie riskierte dabei, von ihm gebissen zu werden, aber sie verteidigte mich gegen ihn, obwohl sie deutlich kleiner und leichter ist als er. Leider hat sich unsere Lady durch den doppelten Zuwachs von uns erst einmal etwas zurück gezogen, mittlerweile allerdings kommt sie wieder ganz freiwillig zum Schmusen, Kuscheln und abends zu uns aufs Sofa unter die Wolldecke gekrochen und fordert sehr selbstbewußt ihre Streicheleinheiten. Meine schwarzweiße Hundedame wird inzwischen, für uns sichtbar, alt. Fremde sehen diese Veränderungen nicht, wir schon. Sie wurde im Februar am Bauch operiert, es sind schon wieder neue Knoten da, allerdings noch sehr kleine. Die linke Milchleiste zeigt nun einen noch sehr kleinen Mamatumor. Mamatumore streuen in der Regel sehr stark und sollten möglichst früh operiert werden. Bedingt durch ihren schweren Herzfehler ist bei Lady das Risiko für Operationen unter Vollnarkose immens hoch. Es stellt sich die Frage, lieber den Hund mit den 3 kleinen Knoten am Bauch und dem, noch sehr winzigen, Mamatumor in der Milchleiste ihr Leben leben lassen, oder erneut operieren mit dem Risiko sie wird vielleicht nicht mehr wach. Lady wird im nächsten Mai 13 Jahre. Soweit ist sie fit, man merkt ihr das Alter so nicht weiter an. Sicher, wir sehen, was sich verändert hat, aber für eine 12 jährige Hündin trabt sie sehr stolz durch die Gegend, spielt sie ausgelassen, geht sie sehr gern schwimmen im Rhein und stöbert sie mit viel Elan durch die weiten Felder unserer Umgebung. Kurz sie hat Spaß am Leben und zeigt uns das auch.

Für das nächste halbe Jahr wünschen wir uns:

> das Lady fit bleibt und die Knoten nicht zu schnell wachsen. Sie weiterhin ein so fröhlicher Hund bleibt und überall ihre hübsche Nase reinsteckt.

> das unser altes Tildchen so gesund und munter bleibt und ihr neues Leben genießen kann. Sie ein aufgewecktes freundliches Dackelchen bleibt, dass sich mit Vorliebe im Garten aufhält.

> das Semi auch weiterhin lernt, weiter Vertrauen aufbaut und sich uns noch ein bisschen näher anschließt, seine Austicker weiterhin immer weniger werden, vielleicht eines Tages ganz ausbleiben.


Das war der Rückblick auf ein halbes Jahr mit drei sehr unterschiedlichen Hunden, von absolut unterschiedlicher Herkunft, mit völlig verschiedener Vergangenheit. Es hat sich gelohnt und wir haben es nicht bereut, die beiden alten Hunde zu uns, Lady und auch zu Chica hinzu genommen zu haben.

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