Unsere Wintergäste, die Igel

vorab: Igel sind KEINE Haustiere und dürfen auch nicht als solche gehalten werden.

"Unsere" Stachelritter vom Winter 2007/2008

Im Spätherbst 2007 war es mal wieder soweit - es kamen nach und nach Igel zu uns in "Pension" zum Überwintern.

Aus einem Tierchen wurden ganz schnell mehr - bei 4 Stück sagten wir dann Stopp. Sie saßen paarweise zusammen und in der ersten Zeit funktionierte das auch recht gut. Doch je größer sie wurden - desto mehr Querelen gab es. Wir mußten sie trennen, damit jeder sein eigenes Reich hatte. Igel sind eigen.

 

Nummer 4 war nicht lange hier - er mußte nur eine kurze Übergangszeit gepäppelt werden und zog dann zurück in seinen eignen Garten, wo er gute Überwinterungsmöglichkeiten hatte.

 480 g Stacheln

 

Nummer 3 war die Kleinste. Sehr anfällig, sie hatte Husten und immer wieder eine Triefnase.. sie hat es leider nicht geschafft. Das kleine Stachelmädchen wurde in den letzten Tagen oben bei mir im Büro in einem riesen Käfig gehalten, damit wir sie im Blick hatten und kontrollieren konnten, wie es ihr ging. Über eine Woche kämpften wir mit unserem Tierarzt zusammen um sie, es hat nicht sollen sein. Sie hat ihre letzte Ruhestätte in unserem Vorgarten gefunden.

 Sie war mit 270g sehr klein und zart.

 

 

Nachfolgende Bilder stammen vom 1. April-Wochende, als die beiden letzten Igel in die Frischluftabteile auf der Terrasse umzogen.

Langsames wach werden... mit 780 g ist er der Kleinere der Beiden. Der Winterschlaf kostete 150g vorher angefressenes Gewicht.

Neugier Nase..  sie hier ist schon immer eine Vorwitznase gewesen.

 herum schnuffeln...

 

Am Donnerstag den 24.04.2008 ziehen sie zurück in ihre Gärten.. - die Raschel-Stachel-Bande wird uns fehlen.

*****

 

Wintergäste 2006

Gestatten, mein Name ist Frau Igel. Ich bin Eine von Vielen, die hier bei der Familie schon eine Überwinterungsmöglichkeit gefunden haben.

Ich war im Dezember im Vorgarten unterwegs auf Futtersuche und fand nichts mehr. Aber ich wurde gefunden, von einer schwarzweissen Nase, die mich heftig erschrocken hat. Vor lauter Schreck habe ich mich eingerollt und meine spitzen Stacheln aufgerichtet. Das weisse Zeug, die Menschen nennen es Schnee, unter mir war sehr kalt und ich war schon lange unterwegs, um etwas fressbares zu finden und nun kam auch noch dieses komische Tier und wollte mich fressen. Mir reichte es, aber gründlich! Nicht nur das leidige Gehopse, die Flöhe, in meinem weichen Bauchfell pisakten mich - nein - ich trug außerdem auch noch Zecken mit mir herum, die mir mein Leben nicht gerade erleichterten. Diese Biester wurden ja satt, aber ich hatte Hunger und das schwarzweisse Ding da offenbar auch. Laut war es, es quitschte und fiepte und machte laute Geräusche. Es stupste mich mit der Nase an und zuckte erschrocken zurück, ja, meine Waffen waren spitz! Doch es gab nicht auf, es trat mit einer Pfote nach mir und jaulte erschrocken auf und sprang wieder zurück. Plötzlich fühlte ich etwas Weiches um mich herum, etwas Warmes, das Schwarzweisse war verschwunden, ich hörte es zwar noch, aber es kam nicht mehr an mich heran. Ich fühlte mich aufgehoben vom Boden und ins Warme getragen. Ich hörte andere Geräusche und wurde, mit dem weichen Etwas um mich herum, abgesetzt. Nach ein paar Minuten, in denen nichts geschah und ich nicht viel hörte, wurde ich doch zu neugierig und linste mal vorsichtig aus meiner kugeligen Haltung hervor. Wo war ich?

Ich saß, umhüllt von einem warmen Handtuch, mitten auf dem Küchentisch unter einer Lampe, die sehr hell machte. Hier roch es gut. Ich entrollte mich weiter, rollte mich auf meine kleinen, kalten Füße und blieb erst mal da sitzen. Die Wärme tat mir gut. Als ich dann doch die ersten Schritte wagte, durfte ich nicht vom Tisch herunter. Ich roch aber doch leckeres Fleisch und da wollte ich hin. Ich und meine Besiedelung hatten doch Hunger! Tja, aus dem Fressen wurde erst mal nichts.

Wieder wurde ich hochgehoben und ohne das weiche Handtuch in eine Schale gesetzt, die wackelte. Ich hörte, wie jemand in einer mir fremden Sprache sagte: "382g - der zieht in den Keller". Ich wußte ja nicht, was das zu bedeuten hatte, ich roch nur das leckere Fleisch und ich hatte Hunger. Doch ich durfte immer noch nicht dahin, wo es so gut roch, sondern wurde aus der Schale wieder heraus genommen und mit dem Handtuch wieder hochgehoben. In einem Raum nebenan bekam ich eine Paste ins Mäulchen, die schmeckte mir nicht. Ich schluckte und spukte und wollte das Zeug wieder loswerden, doch die beiden Leute die mich in der Fittiche hatten bestanden darauf, dass ich es schluckte. Na gut, wenn ich dann endlich zurück zu dem leckeren Duft durfte. Durfte ich nicht, dafür wurden meine Plagegeister, die Zecken, von mir entfernt. Eine Wohltat und was kam nun als nächstes, fragte ich mich. Ich hatte mich übrigens nach dem eklig schmeckendem Zeug so halb wieder eingerollt und jetzt sagte der Mensch, dass das sogar gut wäre weil er mit dem komischen Ding in seiner Hand leichter zwischen meine Stacheln komme und die Zecken wegnehmen konnte. Auch die anderen Untermieter von mir ergriffen sehr schnell die Flucht, als ich mit etwas komisch riechendem eingesprüht wurde, dazu hielten mir die Menschen ein Eckchen vom Handtuch vor meine Augen und drehten mich sogar um. Mein schönes Bauchfellchen war danach ganz feucht, aber ich hörte die Flöhe husten und keuchen, das Zeug mochten sie nicht und bald darauf fielen sie von mir ab.

Durfte ich jetzt endlich zurück zu dem guten Duft?  Nein, immer noch nicht. Ich wurde in eine Kiste gesetzt, die voller Papierschnipsel war und vergrub mich darin. Ich hatte nicht vor länger hier zu bleiben und wollte warten bis das Licht ausgehen würde, dann würde ich da raus klettern und schleunigst dahin wandern, wo der gute Geruch herkam. Ich hatte die Rechnung ohne diese Menschen gemacht. Als das Licht ausging kletterte ich tatsächlich aus der Kiste. Puh, die war recht hoch und ich musste mich richtig anstrengen. Aber ich habe es geschafft und plumpste auf der anderen Seite herunter, nur - ich kam nicht weit. Die hatten die Kiste wohl in eine andere Kiste gestellt. Wie gemein, diese andere Kiste war so hoch da kam ich nicht raus. Woher hätte ich wissen sollen, dass diese andere Kiste der Raum von der Gästetoilette war? Gut, da schimmerte durch einen Spalt Licht herein, ich tappste dahin, als ich mein Näschen da drunter schieben wollte, schnufferte mich von der anderen Seite her wieder das schwarzweisse Etwas an. Ganz schnell rollte ich mich ein, das fehlte mir gerade noch, dass das Ding mich jetzt doch noch erwischte. Plötzlich wurde es wieder hell, ich wurde lachend eingesammelt, hochgehoben und hörte wie der Mensch zu seiner Gefährtin sagte: "Schau mal, ein kleiner Ausreisser"

Inzwischen war mein Bauchfellchen auch wieder trocken und warm und ich hatte immer noch Hunger. Jetzt hörte ich auch das schwarzweisse Etwas wieder ganz nah bei mir und hörte auch, wie die Menschin sagte: "Nein, lass das, geh runter" zuerst dachte ich, sie meinte mich. Sehr witzig, wie sollte ich denn da runter gehen, wo mich der Mensch doch festhielt? Doch dann begriff ich, dass sie das schwarzweisse Tier meinte, das an dem Mensch der mich festhielt, hochgestiegen war. Ich hatte nur einen kurzen Blick riskiert und der hatte mir schon genügt - das laute Tier war mir einfach viel zu nahe an mir dran. Schwupps, ich stellte meine Stacheln hoch und piekte damit auch den Menschen der mich festhielt. Egal, hauptsache Schutz.

Nun merkte ich, wie ich fortgetragen wurde. Von dem guten Duft weg, der mir wieder in die Nase gestiegen war, in einen Raum, der kühler war, aber nicht so kalt wie draussen. Jetzt wurde ich abgesetzt, das Handtuch weggenommen und ich wartete noch ein wenig bis ich mich entschloß mich langsam aufzurollen. Da saß ich nun und staunte. Ich saß in einem großen Abteil mit für mich zu hohen Wänden, dick ausgelegt mit Zeitungen, einem Karton voller weicher Papierschnitzel, und da aus der Ecke duftete es doch tatsächlich nach Futter! So zog ich dann los, dem Futter entgegen. Und ich fras und fras und fras. Als ich genug hatte, sah ich mich hier genauer um und ich roch auch noch Artgenossen. Ich lief durch das ganze Abteil und besah mir alles ganz genau, fand noch eine Schale, in der war Wasser und daneben lag ein Stück Apfel. Als ich alles ganz genau erkundet hatte, rollte ich mich in der Kiste mit den Papierschnipseln ein und hielt ein Nickerchen.

So kam ich hierher. Am nächsten Tag musste ich aus meinem schönen Abteil schon wieder ausziehen und wurde in einen Karton gepackt, der rundum zu war. Wenigstens wars darin schön dunkel, aber was hatten die Menschen nur mit mir vor? Sie trugen mich mit dem Karton fort, offenbar wieder hinaus ins Freie, denn es war sofort richtig kalt. Und dann hörte ich was klappen, danach schaukelte es und das hörte gar nicht wieder auf. Doch, es hörte auf, aber mir kam es endlos lange vor, dann klappte es wieder und ich wurde , mitsamt der Kiste, irgendwo abgestellt. Der Karton wurde geöffnet und über mir sah ich zwei Gesichter. Erschrocken rollte ich mich ein.

Wie roch es denn hier? Seltsam. Dicke Handschuhe griffen mich und hoben mich aus dem Karton und ich hörte, wie der eine Mensch - so ein gemütlicher Dicker mit Fell im Gesicht - fragte: "Was habt ihr bisher mit ihm gemacht" und die Menschin antwortete: "Entfloht, Entzeckt, Wurmpaste gegeben und abgefüttert. Ich bin hier, weil er hustet wie verrückt. Vermutlich hat er Lungenwürmer" Der Mensch der mich mit den Handschuhen festhielt, sagte: "Ja, dann geben wir dem Igel mal was gegen diese Biester. Das ist übrigens ein Mädchen"  Ah-ha! Ich bin also ein Igelmädchen, gut zu wissen!  Da stopft der Mensch mir doch was in mein Mäulchen und drückt drauf, igitt! Das schmeckt ja - brrr - schüttel! Dann dreht und wendet er mich hin und her, schaut mich von allen Seiten gut an und lässt mich dann auf eine kleine kalte Platte herunter, die wackelt. Ich möchte gern flüchten, klappe meine Beine aus und  werde festgehalten. "Hiergeblieben Frolleinchen" lacht der Mensch. Gut, bleib ich eben hier, aber nur eingerollt. "Uii, der ist aber arg leicht, hat noch keine 400 Gramm" höre ich. Was auch immer Gramm sind, es ist mir egal, ich möchte jetzt hier weg. Ups, jetzt darf ich ja sogar und ich laufe los, ganz fix. Oh, da geht es nicht weiter. Umdrehen, loslaufen und ein Stück weiter das gleiche, Ende von dem Ding auf dem ich abgesetzt wurde. Wie gemein. Die Menschin setzt mich wieder zurück in den Karton und macht den zu. Es dauert noch eine Weile, ich höre die Beiden noch reden, dann werde ich mit meinem Karton wieder mitgenommen und das Geschaukel fängt von vorne an. Dann wandert meine Kiste wieder durchs Kalte, ich höre das schwarzweisse Ding wieder und als der Kasten geöffnet wird, bin ich endlich wieder in meinem Abteil. Aber was war das? Mein Tellerchen mit Fresschen war ja leer gewesen und jetzt fehlte es ganz. Meine Wasserschale war auch weg und mein Apfelstück, dass ich noch gar nicht angerührt hatte, fehlte auch. Wütend flitzte ich durch mein Abteil, zerwühlte die frischen Zeitungen und räumte die Papierschnipsel aus meinen Schlafkarton, irgendwo musste das doch alles sein.

Da kam eine Hand von oben in mein Abteil und die hatte doch tatsächlich mein Futtertellerchen. Das war sogar voll mit all den leckeren Sachen die ich so mag. Und nochmal kam die Hand und stellte mir Wasser hin und dazu legte sie eine frische Scheibe Tomate. Das nenne ich Service! Laut schmatzend machte ich mich über die Delikatessen her. So könnte von mir aus jeder Winter sein. Sehr bequem war das hier und sehr angenehm.

Ich schmatzte übrigens nicht alleine in diesem Keller. Mit mir schmatzten noch 5 weitere kleine und größere Stachelritter in verschiedenen Abteilen. Der Kleinste hatte als er gefunden wurde, 285 g Gewicht und der Größte von uns 420g Gewicht, bei seinem Einzug hier. Ich war allerdings die Letzte in diesem Winter die kam und hatte am meissten nachzuholen. Der Kleinste schaffte es leider nicht, er hatte soviele Lungenwürmer, dass er eines Tages einfach nicht mehr erwachte, obwohl alles für ihn getan worden war.

Im Frühjahr durften wir dann wieder raus, bekamen noch eine Weile Futter hingestellt und suchten uns unser Revier neu aus. Ich bin in dem schönen Garten geblieben, die anderen haben sich rundum in den Gärten verteilt und ab und zu sieht man sich auch hinten auf der wilden Wiese am Bahndamm. Hin und wieder schau unter der dichten Hecke hervor und besuche meine Menschen auf der Terrasse, aber nur wenn das schwarzweisse Tier und die zwei Anderen nicht draussen sind. Ich bin groß geworden und lebe mit meiner Familie unter der Gartenhütte des Nachbarn. Meine Menschen und der Nachbar schütten im Herbst ganz viel Laub in der Ecke zur Hütte auf, damit wir uns dort über Winter wohlfühlen.

Das bin ich, das freche Igelmädchen

 

 Der Kleinste

 und leider auch der Schwächste.

 

Informationen zur Igel Winter Pflege bekommen Sie unter http://www.igelhilfe.de/

auf diesen Seiten finden Sie alle nötigen und wichtigen Informationen, die einem Igel das Leben retten können.

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