Mara´s Lebenslauf  (ab Juli 1983 bei uns - 26.08.1985)

Mara  war eine ca. 12 jährige Schäferhündin die man ausgesetzt und mit Stacheldraht festgebunden an der Autobahn gefunden hatte.

Sie hatte auf beiden Vorderbeinen offenen Krebs und war sehr ängstlich im Dunkeln und obendrein ausgesprochen unverträglich mit anderen Hunden.  Sie sollte wegen ihrer Krankheit eingeschläfert werden und man sah für die alte Hündin keine Chance, dass sich noch einmal jemand für sie finden würde.  Mara spielte mit sich selbst Bällchen, war munter und ihre Augen zeigten einen warmen Glanz. Sie trauerte im Tierheim nicht - aber sie langweilte sich offensichtlich.

Zuhause gab es Muttis Cerry, die aus einer "Hinterhof-Hobbyzucht" stammte und meiner Ma seinerzeit als "Rasse Schäferhund" verkauft worden war.  Definitiv war sie ein Mix aus Schäferhund und Hovawart, die unmöglichen "Zuchtbedingungen" hatten sie als Welpe schon sehr geprägt und die Maus war ein sehr schreckhafter Hund und leider schon ein Angstbeißer als sie bei Mutti einzog. Der einzige Vorteil den Cerry damals schon hatte, sie war mit fast jedem anderen Hund verträglich.

Ich hatte weder gefragt, ob mein damaliger Mann mit Mara einverstanden wäre, noch wußte ich ob das mit Cerry gutgehen würde. Ich wußte nur, am nächsten Montag würde Mara sterben müssen und ich hatte ihr lange zugesehen beim Bällchen spielen - zu lange! Ich habe nicht mehr lange überlegt und sie einfach mitgenommen. Mara stieg begeistert ins Auto ein, sie trug kein Halsband und hatte nur einem alten Lappen um den Hals,sehr locker fallend damit ich sie irgendwie festhalten konnte. Ich lud sie zuhause aus und  Cerry schaute schon über den Balkon und freute sich. Wir also die Treppe hoch, die Wohnung aufgeschlossen und unsere Cerry kam an und es krachte... vom feinsten. Die zwei Mädels hingen sich in den Halskrausen und es war verdammt ernst. Nun bin ich Gott sei Dank in der Lage mich durchzusetzen, trennte die beiden Kampfhähne und lies beide Mädels abliegen. Cerry hörte sehr gut, Mara versuchte zweimal sich an Cerry heranzuschleichen, es gelang ihr nicht weil ich schneller war und sie an ihrem Lappen festhielt. Aus dem Grund schnappte sie nach mir, sammelte sich mit der freien Hand einen Patsch auf die Nase ein und dann drückte ich sie runter. Sie gehorchte nur sehr widerwillig auf das Kommando Platz. Ich lies beide abliegen, rief  Cerry ab, die auch kam.           

Mara kam im Indianer Schleichgang hinterher...
MARA PLATZ! AUS, PLATZ!
es ging, sie lag angemeißelt da, fixierte mich und ließ mich nicht mehr aus den Augen.
Ich sie allerdings auch nicht.

Dann kam mein Mann mit unserem Kind heim und wir erlebten ein Wunder. Unser Kind wurde stürmisch begrüßt und mein Mann völligst ignoriert.

Nach 4 Tagen konnte ich unsere beiden Hundeweiber jede in einer anderen Zimmerecke ablegen und ein paar Minuten alleine im Raum lassen. Es wurde zwar nach wie vor gefletscht und geknurrt, aber man hielt sich an mein Kommando.

In den zwei Jahren, die Mara noch bei uns hatte, wurden die beiden Hündinnen keine Freunde, aber sie vertrugen sich wenigstens soweit, dass ich nicht ständig hinter ihnen stehen musste. Als Mara dann eines Tages nicht mehr dabei war und bei der abendlichen Gassirunde fehlte, blieben die Mitgassihunde ( 3 Hündinnen) stehen und sahen sich suchend um. Sie waren nie Freunde geworden, aber sie vermissten sie doch.
Mara hatte ihre Angst im Dunkeln verloren und durch das in der  Gruppe - Gassi - Gehen vieles gelernt. Sie hatte ihre Aggressionen gegenüber anderen Hunden fast vollständig abgelegt und war ein kinderfreundlicher Hund der für Björn durchs Feuer gegangen wäre. Männer umging sie den Rest ihres Lebens und sie akzeptierte nie mehr ein Halsband, nur ein ganz lose liegendes Tuch um den Hals.

Das ist Maras Geschichte...sie war ein alter und kranker Hund ohne jede Vermittlungschance.
Ich bin froh, dass sie ihre letzte Zeit bei uns verbringen konnte.

Von Mara gibt es leider keine Digital-Bilder.

*** Ende ***

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