Update Mai 2009: Aufgrund nun schon mehrfach erfolgter Anfragen: Nora steht NICHT zur Vermittlung!

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So manch ein Leser wird "Nora" noch in Erinnerung haben, als sie unter "Notfälle & Hilferufe" stand, damals noch mit dem Namen "Morzsa"

In Ungarn wurde sie von mehreren großen Hunden an einer Futterstelle zusammen gebissen, als sie sich ihren Anteil holen wollte. Morzsa war zu diesem Zeitpunkt hochtragend und wurde lebensbedrohend verletzt. Ihre Kleinen konnten nicht gerettet werden und auch ihr eigenes kleines Leben hing am seidenen Faden. Tagelang wurde die Hündin in der dortigen Tierklinik versorgt und wechselte, nachdem das Schlimmste überstanden war, in eine private ungarische Pflegestelle und wurde schließlich durch das Tierheim am 22.04.2006 nach Deutschland gebracht.

 

Morzsa in ihrer ungarischen, privaten Pflegestelle, nach ihrem "Unfall"

 

Morzsa bestand nur aus Angst. Sie hatte Angst vor großen Hunden, sie hatte nicht unbedingt viel Vertrauen in Menschen - außer in Diejenigen die sie gepflegt hatten und sie war völlig verschüchtert. Als sie im Tierheim ankam, erschreckte sie das lautet Gebell der anderen Hunde und sie verkroch sich in ihrer Box in der hintersten Ecke. Gott sei Dank gab es noch den Dackelmix "Einstein", der sich ihrer liebevoll annahm. Zu ihm fasste Morzsa Vertrauen - er war ja nicht groß und er war nicht böse. Frau R. beschäftigte sich viel mit der kleinen Angstmaus und stellte fest, hat Morzsa zu jemanden Vertrauen gefasst, ist sie ein wunderbarer, anhänglicher kleiner Hund.

Die erste Interessentin für Morzsa war schon da, bevor die kleine Hündin überhaupt in BRD eingetroffen war. Martina, eine Schreiberin aus unserem Forum, hatte sich spontan in den kleinen Hund verliebt und fuhr nur wenige Tage nachdem Morzsa im Tierheim angekommen war zu ihr hin, um zu sehen ob sich ihre beiden recht kleinen Hunde mit Morzsa vertragen würden. Leider funktionierte es mit der schon vorhandenen Hündin nicht, obwohl sich Morzsa ihr gegenüber recht zugänglich zeigte. Mit dem Rüden gab es keine Probleme, der ist absolut pflegeleicht. Ein Dankeschön an Martina, die den Versuch gewagt hat und Morzsa ein gutes Zuhause geben wollte. Es hat nicht sollen sein und ganz klar hat der "Althund" hier Vorrang. Morzsa blieb also weiterhin im Tierheim, was für die kleine Maus ein echtes Problem war, denn sobald es irgendwo "Groß" bellte, fiel sie in sich zusammen und traute sich nicht mehr aus der Ecke der Box heraus. Nun bellt es in einem Tierheim ja nur allzu oft....

 Morzsa im Tierheim, in der hintersten Ecke der Box.

07.05.2006 Frühlingsfest im Tierheim 

Wir fuhren bei strahlenden Sonnenschein und sehr zeitig los und wollten pünktlich da sein. Der Nudelsalat, den wir für diesen Tag zugesagt hatten, fuhr auch mit, denn ab halb 12 sollte es Mittagessen für die Besucher geben. Micha hatte bis dato immer mal wieder die Bilder der kleinen Hündin angesehen und wollte sich diese Maus mal in live angucken. Ich hatte im Hinterkopf eventuell für die Kleine eine Art Pflegeplatz auf Zeit, bis zur Vermittlung, zu werden - falls, ja falls sich unser Trio mit ihr anfreunden könnte. Unklar war auch, ab welcher Größe definiert Morzsa einen großen Hund? Bei Semi machte ich mir im punkto Verträglichkeit gar keine Gedanken, Morzsa ist doch ein Mädchen! Bei Tildchen war ich mir sicher, dass es funktionieren würde. Nur bei Lady, meiner alten "Kampfkuh", hatte ich - wie immer- so meine Bedenken. Aber man musste einfach erst mal sehen und abwarten ob sich da überhaupt eine Chance ergeben würde, oder ob sowohl Micha als auch das Trio dazu "NEIN" sagen würden und vor allem ob das Tierheim - Team einverstanden wäre.  Als wir ankamen war schon mächtig viel los, viele Besucher mit und ohne Hunde waren schon auf dem Gelände, dabei wars noch zeitig. Im späteren Verlauf des Tages holten wir Morzsa, die sich bis dahin noch gar nicht draussen gezeigt hatte, mit Frau R.´s Erlaubnis aus der Box und nahmen sie mit zu uns an den Tisch. Steckensteif saß die Maus unter all den fremden Hunden da, bis Micha sie auf den Arm nahm. Erst dann entspannte sie sich langsam ein wenig und legte ihr Köpfchen auf seine Schulter. Sie beobachtete die vielen fremden Hunde von da oben sehr genau und als sie merkte, die tun ihr alle nichts, wollte sie sogar wieder herunter auf den Boden. Nach rund einer 1/4 Stunde auf Michas Arm, weiteren 20 Minuten beobachten unter dem Tisch, beschloßen wir - wir holen nun unsere drei Waus dazu. Auf der ruhigen Hundewiese liesen wir Morzsa und unsere Rasselbande ersten Kontakt aufnehmen. Wie vorhergesehen gab es mit Semi überhaupt keine Probleme. Er schnupperte kurz an der kleinen Dackeline und befand sie für harmlos, eben weil es ein Mädchen ist. Dann zog er seine Kreise über das Gelände, schnupperte immer mal wieder an ihr, während sie mit eingezogenem Schwänzchen da stand und still hielt. Lady erstaunte uns alle sehr. Sie fiepste leise, zog zu Morzsa hin, aber keineswegs auf die Art und Weise wie sie sonst zu anderen Hunden hingeiert. Sehr vorsichtig beschnufferte sie die kleine Hündin, wedelte kurz zaghaft, stupste sie sanft mit der Nase an und schnupperte dann an und unter ihrem Bauch her sehr lange. Plötzlich leckte sie sanft an Morzsa´s Bauch entlang und fiepste wieder leise. Damit wars erledigt, unsere Lady hatte erkannt dass da was gewesen sein musste, was nicht gut war und nahm sich der kleinen ängstlichen Hündin an. Wir waren platt! So kannten wir unsere Zicke ja nun gar nicht. Als letztes nahm Tildchen den Kontakt mit Morzsa auf. Dackelinen unter sich.... kurzes Beschnuppern, kurzes ernstes gegenseitiges Ansehen und gut. Obwohl ja beide Minis Dackelmixe sind, ist Morzsa doch ein ganzes Stück größer und länger als unser kleines Tildchen, allerdings ist Morzsa auch klapperdürr und Tildchen hat immer noch eine super Figur. Mit dem Viererpack zogen wir zurück zu unserem Tisch. Micha hatte Lady und Tildi an der Leine, ich Semi und Morzsa. Wir verbrachten ab da den Tag mit allen Hunden am Tisch, auf dem TH-Gelände, sogar in der Cafeteria waren wir mit allen vier Hunden. Es gab überhaupt keine Probleme mit den Hunden untereinander, im Gegenteil, man hätte denken können sie wären schon länger ein Team. Auch mit den Tierheim Mitarbeitern war alles easy und locker, wir nahmen die Kleine am selben Abend noch mit nach Hause. Dort schlug die Stimmung bei Tildchen plötzlich um, sie schmollte - aber sowas von deutlich und gründlich. Kein Schmusen, kein Zureden, keine Streicheleinheiten waren ihr recht - sie drehte den Kopf weg, kam nicht heran, weigerte sich zu uns auf´s Sofa zu kommen, sogar zu fressen, unsere Kleinste war sauer! Richtig sauer, so sauer, wie ein so kleiner Hund nur sein konnte. Sie knurrte sogar Morzsa an und knuffte sie. Morzsa war der Eindringling und und unsere Mini hatte Angst, sie würde nun ihren schönen Platz verlieren, zurück stehen müssen, etwas abgeben müssen - von dem was sie nun hatte. So verbrachten wir einen Sonntagabend mit einem stinksaurem Dackel, einer ängstlichen neuen Dackeldame, einer sanftmütigen - bemutternden Kampfkuh und einem eher stoisch-ruhigen Semi. Morzsa verweigerte das hingestellte Futter und wir dachten, es läge an dem aufregenden Tag, dem vielen Neuen und der langen Autofahrt.....

Montag 08.05.2006

Nach einer anstrengenden Nacht, folgte ein nicht weniger anstrengender Tag mit der neuen Dackeline. Morzsa begrüßte mich morgens auf dem Küchentisch stehend und mit großen Augen. Sie war über Nacht sauber gewesen, allerdings sehr laut. Viel geschlafen hatte ich nicht, im Gegensatz zu meinen beiden Herren im Haus, die hören nichts, wenn die schlafen - dann schlafen sie. Da unsere Mini der Neuen kurzerhand am Vorabend noch den Krieg erklärt hatte und wir in der vergangen Nacht feststellen durften, Morzsa bleibt nicht eine Sekunde allein, musste der Neuzugang mit in die Firma. Sie stieg gar nicht begeistert in die Box, sie fuhr noch weniger gern Auto und war sehr froh endlich aussteigen zu dürfen. Danach erkundete sie mit eingeklemmten Wedel das Büro und die Ware, stellte fest, dass tut ihr alles nichts und legte sich auf Semis Platz. Argwöhnisch beäugte sie Alles und Jeden. Ich bot ihr im Büro Futter an - nein, sie wollte nichts fressen. Wenigstens trank sie ein paar Schlucke. Gegen Mittag kruschte und kramte sie in einer Ecke des Lagers herum und brachte stolz erst einen Tennisball und etwas später ein Stofftier heran. Wo auch immer sie das Spielzeug herausgekramt hatte, es war ok., sie durfte natürlich damit herum albern, keine Frage. Sie spielte selbstvergessen mit dem Ball herum und kaute später auf dem Stofftier, vorne liegend, hinten stehend und schlief darüber ein. Wach wurde sie, weil sie einfach umgekippt war. Verdutzt schüttelte sie sich und legte sich mit dem Stofftier im Maul hin, um weiterzuschlafen. Mir schien es fast, als suche sie Trost bei dem Stofftier, denn sie kuschelte damit, fiepste leise und nahm es überall mit hin.

Nora mit ihrer Trost & Spiel - Stoffmaus bei mir im Büro

 

 

Über den ganzen Tag hatte sie nichts gefressen und auch an diesem Abend fras sie nicht. Wir liesen sie in Ruhe, sie brauchte sicher noch ein wenig Zeit. Mit Frau R.hatte ich gemailt und gefragt ob wir Morzsa umbenennen dürfen - seit diesem Tag heißt sie "Nora". Den neuen Namen nahm sie direkt an, überhaupt scheint sie ein sehr gelehriger Hund zu sein. 

Dienstag 09.05.2006

Die Nacht von Montag auf Dienstag war deutlich ruhiger. Nora durfte oben bei uns schlafen und lieh sich kurzerhand Chicas Körbchen dazu aus. Nicht weiter schlimm, denn Gasthund Chica bekommt dann eben ein anderes Schlafkörbchen - wir haben noch einige im Keller stehen und die Auswahl ist recht groß. Kaum hatte Nora den Korb entdeckt, lag sie auch schon fest schlafend drinnen. Sie machte die ganze Nacht über keinen Versuch ins Bett zu hopsen und schief durch. Als der Wecker um 5 Uhr in der Früh ging, sprang sie auf, schaute erst bei Michael nach ob der schon wach wäre und dann auf meiner Seite. Nun kann ich eigentlich eine halbe Stunde länger schlafen als Michael, doch Nora war der Meinung mir ihre kleine, kalte Nase ins Gesicht strecken zu müssen. Semi sah mich verwundert an, als ich um kurz nach 5 Uhr schon sein Gitter öffnete und blieb liegen, für ihn war's immerhin noch mitten in der Nacht. Nach einer ausgedehnten Pipirunde durch den Garten, kamen die drei Weibsen nacheinander wieder herein und verteilten sich auf den verschiedensten Liegeplätzen. Nora belegte den Hundesessel, dass scheint ihr neuer Stammplatz zu werden. Semi ging nach draussen, als die Mädels alle wieder drinnen waren - dem alten Hundemann ist solche Hektik am frühen Morgen eindeutig zuviel. Er ist ohnehin ein arger Morgenmuffel und vor 8 Uhr nie so richtig wach. In der Firma zeigte sich Nora immer noch sehr zurückhaltend, aber sie ging schon mal zu dem einen oder anderen Mitarbeiter vorsichtig und lang ausgestreckt hin. Ich hatte ihr Futter mitgenommen - sie rührte es nicht an. Langsam begann ich mir Sorgen zu machen, weil sie so gar nichts Fressbares annahm. Der kleine Hund hat schon nichts auf den Rippen und noch mehr abnehmen würde zu Problemen führen. Problemen, die wir zusätzlich zu ihrer Angst und Panik nicht auch noch brauchten. Erst am Abend nahm sie etwas zu sich - ganze drei Nudeln fras sie. Nora entdeckte heute ihre Stimme, Alles und Jedes wurde angebellt. Die Nachbarin, jeder Vogel, der Nachbarshund, jedes Auto das vorbei fuhr, jedes Blatt im Wind. Toll, sie hast eine ausgesprochen schöne Stimme, aber bitte, bitte, kleiner Hund, werde nicht zum Kläffer! Chica alleine ist schon laut genug und noch so ein kläffendes Etwas, das gibt sicherlich Ärger mit den Nachbarn, zumal jedesmal wenn Nora losbellt, die anderen Hunde natürlich auch ihre Kommentare beisteuern wollen. Tildchen konnte sich nicht so recht entscheiden, mochte sie die Neue nun, oder lieber doch nicht? Mal standen sie wedelnd voreinander - mal knurrte Tildi die Neue aus tiefster Seele an. Auf´s Sofa lässt Tildchen die kleine Nora nicht, da schnappt sie sogar nach ihr. Denn das Sofa ist ihr Platz und den möchte unsere Mini nicht auch noch teilen müssen.

 

Mittwoch 10.05.2006

Langsam wird es ernst, Nora  frisst immer noch nicht. Wir füttern sie einzeln, heißt, wir versuchen es. Doch Nora nimmt nichts an. Schaut in ihre Schüssel, geht ohne ein Mäulchen voll genommern zu haben. Die tollsten Leckereien haben wir ihr inzwischen angeboten, doch sie geht nicht dran. Wir waren schon beim Tierarzt mit ihr - sie ist gesund, aber vom Gewicht her an der untersten Grenze angelangt. Ihre Angst lässt sie nicht fressen. Verständlich, denn ihr Unfall geschah an der Futterstelle. Nora verbindet nun Fressen mit Schmerzen und traut sich deshalb nicht. Auch in Ungarn hat sie nur wenig zu sich genommen, im Tierheim praktisch auch nichts, immer nur soviel wie sie gerade brauchte, um nicht zu verhungern. Und nun? Wie machen wir ihr klar, dass sie hier gefahrlos fressen kann und darf ? Das ihr hier nichts geschieht, wenn sie ihre Nase ins Futter steckt? Viele Fragen hab ich gestellt, in verschiedenen Foren. Viele gute Antworten bekommen, Hilfestellung von vielen Seiten - auch von einer Tierheilpraktikerin. Nora fras an diesem Abend wieder nichts, aber sie kam zum Tisch als wir am Essen waren und brummelte. Hunger hatte sie ja, aber sobald einer der anderen Hunde zu dicht kam, verschwand Nora wieder in sicherer Entfernung und sah zu. Mit viel Geduld schaften wir es, ihr knappe 100 g Futter zuzustecken. Mehr war nicht drin, aber damit hatte der kleine Hund wenigstens etwas im Magen. Leider nicht lange, dann erbrach sie das Bisschen wieder.

 

Donnerstag 11.05.2006

Die Anti-Panik Globuli sind da und Nora hat die Ersten davon intus. Danke Daniela, dein genanntes Mittel bringt Nora etwas zur Ruhe, bringt ihr etwas Sicherheit, etwas mehr Gelassenheit. Im Garten wird sie langsam etwas sicherer und durchstreift ihn, erkundet nun erstmals alle Ecken allein, ohne das jemand von uns mitgehen muss. Zeitweilig ist die Rute jetzt oben und wenn Nora sich unbeobachtet fühlt, liegt sie im Gras und wälzt sich voller Wohlbehagen herum.

 

Sie bellt auch nicht mehr Alles und Jedes an, sondern brummelt ganz tief in sich drin, wenn sie etwas sieht, dass sie noch nicht zuordnen kann. Sie bringt Spielzeug heran, von dem wir gar nicht mehr wußten, dass es noch da ist. Unsere Oldies sind keine großen Spielhunde und so gerieten Bällchen, Quitscheschuh, Zerrstrick und Stofftier allmählich in Vergessenheit. Nora schleppt alles wieder hervor und beschäftigt sich damit - alleine! Lady sucht den Kontakt zu ihr, fordert sie zum spielen auf. Nora geht darauf ein, bis zu einem gewissen Punkt, denn sobald Lady beim spielen bellt, bricht Nora das Spiel sofort ab. Gassi gehen mit der kleinen Hündin ist ein Alptraum. Die ersten paar Meter läuft sie noch mit, dann bleibt sie stehen und ist nicht mehr zu bewegen. Ganz schlimm wird es, wenn wir ins freie Feld wollen. Auf Straßen geht es zeitweilig ganz gut, da läuft sie dicht an Zäune und Häuser gedrängt, mit angelegten Ohren, eingezogenem Wedel und teilweise wird sie flach wie eine Flunder. Alles macht ihr Angst - alles, außer Autos.

Michael setzte sich am Abend in den Flur auf die Treppe und fütterte Nora aus der Hand - heißt - er versuchte es. Gucken, schnuppern, nehmen und wegtragen. Auf diese Art fras Nora aber immerhin doch einen halben Teller Nudeln mit Hack. Die andere Hälfte verfütterte ich ihr auf die gleiche Art und Weise. Mühsam, langsam, sehr zögernd - aber sie nahm es wenigstens an. 1 Teller mit Nudeln und Hack ist besser als gar nichts. Ein Anfang war gemacht. Nora hatte endlich ein wenig gefressen. Und diesmal blieb es auch drinnen....

Gott sei Dank ist Nora jetzt bei uns und nicht mehr im Tierheim, denn heute sind 47 Hunde aus einer Sicherstellung ins Tierheim gekommen und bei dem Stress, der Hektik und dieser extremen Lautstärke, die dort jetzt herrschen, würde die Kleine völlig verzweifeln und durchdrehen und sich vermutlich völlig aufgeben.

 

Freitag 12.05.2006

In den frühen Morgenstunden erbricht Nora alles wieder, was sie am Vorabend zu sich genommen hat. Wir geben nicht auf, bieten ihr immer wieder neu Fressbares an. Ihr kleiner Bauch war zu lange leer und rebelliert nun. Mit Hilfe der Globulis zur Beruhigung und NuxVomica versuchen wir erneut, ob das Hundchen etwas frisst und hoffen, dass es diesmal klappt und drinnen bleibt. So ist die Maus munter und fidel - nur diese Fressereri macht uns Sorgen. Gegen Nachmittag kam Durchfall hinzu, Nora trank aber wenigstens Wasser und nahm zögerlich ein paar Nudeln aus der Hand. Ein Bekannter vertreibt sehr hochwertiges, teures Hundefutter und brachte mir eine Probepackung davon ins Büro. Mehr als auch dazu "Nein" sagen konnte Nora nun auch nicht mehr. Ich füllte Nudeln und Futter in ein Schälchen und bot ihr Bröckchenweise mit der Hand davon an... und endlich fras sie das erste Mal dann auch aus einer Schale selbstständig. 250g teuerstes Hundefutter fand den Weg in Nora. Völlig egal, hauptsache sie nahm etwas zu sich und das schien ihr zu schmecken. Zum erstenmal behielt sie ihr Fresschen auch wirklich bei sich und legte sich auf Semis Platz im Büro, fiel direkt in Tiefschlaf. Abends  - zuhause - verfütterte ich ihr nochmals eine Portion Nudeln mit Hack von Hand. Micha bestellte für die kleine Hundedame das "Nobel-Futter" vom Mittag bei unserem Bekannten. Frau R. vom Tierheim lachte, als wir ihr erzählten was für Vorstellungen vom Fressen die kleine Hundedame hatte, erleichtert auf und sagte: "Es ist ok, wenn sie halt nur Kaviar und Hummer essen mag - dann holt es ihr erst mal und mischt langsam was anderes unter. Hauptsache sie frisst endlich". Frau R. half uns ja wo sie konnte bei unseren Problemhunden und wegen Nora telefonieren wir in dieser Zeit mehrfach täglich, sie stand uns sehr oft mit Rat und Tat zur Seite.

 Nora auf Streifzug im Garten.

Lady und Nora fegen zwischenzeitlich immer mal wieder durch den Garten und sollte meine gescheckte Hundedame eines schönen Tages begreifen, dass es ihr Bellen ist, was die Kleine so erschreckt, vielleicht können sie dann auch mal länger als nur 5 Minuten am Stück miteinander spielen. Nora weckt in meiner alten Lady etwas auf, Lady spielt, freut sich und ist ausgesprochen munter - sobald Nora in ihre Nähe kommt. Lady blüht auf, entdeckt ihre "Jugend" neu.. spielt mit Nora, tobt mit ihr durch den Garten, durch die Wohnung - wenn auch immer nur kurz. Nora tut Lady gut. Tildchen hat sich mittlerweile dazu durchgerungen Nora nicht zum Frühstück haben zu wollen und begegnet ihr inzwischen freundlich, aber sie halten einen gewissen Abstand zueinander. Begegnen sich die Beiden auf engerer Distanz, schnuffelt man aneinander, wedelt kurz und geht seiner Wege. Die große Liebe wird es nicht werden, aber dass muss es auch gar nicht, hauptsache sie beißen sich nicht. Das war und ist mir wichtig, dass unsere Kleinste sich nicht zurückgesetzt fühlt und keine Angst mehr um ihr Zuhause hat.

  Semi schlafend im Hintergrund, Nora mit Spielzeug in der Mitte, Tildchen sturen Blickes im Vordergrund. Noch ignoriert Tildi die Neue, aber es wird täglich besser.

Samstag 13.05.2006

Beim einsammeln der Häufchen im Garten hatte ich schon seit Donnerstag gesehen, dass einer der Wuffs starken Durchfall hat. Tildchen kam durch ihren Reizmagen dafür aber auch in Frage - aber die Kleinste wars dann Gott sei Dank nicht. Als die Bande die nächste Runde am Samstag früh durch den Garten zog, beobachtete ich kritisch jeden Einzelnen von ihnen und es war tatsächlich immer noch Nora, die Probleme mit der Verdauung hatte. Bei unserer vormittäglichen Gassirunde fiel Micha auf, dass nun auch Blut dabei war. Er packte die Kleine in die Box im Auto und fuhr zum Tierarzt. Mit sowas können wir bei Willi immer kommen und sowas lassen wir auch nicht anstehen. Es stellte sich heraus, Nora hatte durch den Stress der vergangenenTage und Wochen sich eine Darmentzündung eingesammelt, nun bekommt sie Tabletten dagegen. Nachmittags nahm Nora ein paar Happen aus der Hand, ging von der Hand zur Schüssel über und leckte diese sogar noch blitzblank. Sie bekam alleine im Wohnzimmer - die andren Wuffs waren draussen im Garten - so hatte die Kleine Zeit und Ruhe zum fressen. Offenbar war der Knoten in ihr nun geplatzt und sie schien zu begreifen, dass sie hier bei uns ungefährdet fressen kann.

Nach einer schönen Schlaf und Spielrunde im Garten begleitete sie Micha nach vorn in den Hof, schaute ihm - gelassen in der Sonne liegend  - beim Straße kehren zu, steckte ihre Nase in ausgezupfte Unkrautbündel und war soweit mit ihrer kleinen Welt zufrieden. Schräg gegenüber wohnt ein großer, schwarzer Neufundländer. Immer wenn der losbellt, verkrümelt sich Nora schleunigst ins innere des Hauses. Nun bellt der große Hund recht viel und natürlich auch nicht gerade leise. Am Samstagnachmittag blieb Nora zum erstenmal in der Sonne liegen, obwohl sie den großen Hund hörte. Sie bellte sogar zurück! Als wir Abends Pizza auf dem Tisch hatten, stand Nora neben uns und bettelte einträchtig mit unseren anderen Hunden mit.

  Zum ersten Mal bettelt Nora mit den anderen Hunden am Tisch. Ich hab mich noch nie so über einen bettelnden Hund gefreut, wie über Nora.

Von Scheu vor unseren anderen Hunden keine Spur mehr - aber als Semi ihr zu nahe kam, wich sie auf die andere Seite des Tisches aus, wo die beiden Hundemädchen schon standen. Semi umgeht sie noch immer etwas weiträumiger - aber auch das wird täglich besser. Es ist mir auch ganz lieb, dass sie zu ihm etwas mehr Abstand hält, denn wenn der braune Brummbär keine Laune hat, wird er schon mal grantelig und schnappt aus heiterem Himmel zu. Gerade Nora kann sowas ja nun gar nicht gebrauchen.

 

Sonntag 14.05.2006

Chica kommt mal wieder und jetzt wird es spannend, denn Nora ist bereits eine Woche hier und beginnt sich heimisch zu fühlen. Wir organisierten die erste Begegnung vorne im Hof. Nora führte sich auf, wie eine kleine, rasende Wildsau. Sie kläffte sich vorwärts - rückwärts und wollte unserer alten Chica doch tatsächlich in den Po knipsen! Chica hörte weder das drohende Knurren, noch das giftige Bellen und näherte sich Nora immer wieder sehr freundlich. "Lass doch mal schnuffeln - wer bist du denn?" sagte ihr Gesichtchen und sie hielt die tauben Ohren steil aufgestellt, ihre Rute wedelte ohne Unterbrechung. Doch Nora war entweder rückwärts auf der Flucht oder versuchte, wenn Chica ahnungslos irgendwo stand, ihr rücklings eine zu knappen. Irgendwann war ich die Faxen dicke, Noras Gekläffe ging mir auf den Keks - Chicas Gekläffe ebenfalls - ich machte Nora los und blieb in der Nähe - auch meine Ma stand Gewehr bei Fuß - um notfalls eingreifen zu können. Aus Erfahrung wissen wir ja, Chica wehrt sich nicht. Sie sucht keinen Streit und trägt auch keine Rangkämpfe oder sonstiges aus, deshalb rangiert sie in unserem Rudel ja auch immer und garantiert an allerletzter Stelle, völlig egal welche Hunde gerade bei uns leben. Nach ungefähr einer Stunde begriff unsere Neue, dass sie bei Chica Narrenfreiheit hat und gab das Schnappen nach ihr auf. Chica blieb freundlich, wedelte immer wieder, ging den kleinen Zähnen aus dem Weg und näherte sich Nora immer wieder vorsichtig. Irgendwann versuchte Nora dann, ob man mit Chica vielleicht auch spielen könnte... und die uralte Hundedame zeigte sich von ihrer besten Seite und hopste für knapp 5 Minuten mit ihr quitschfidel durchs Wohnzimmer. Das erste Eis war gebrochen, wir konnten durchatmen.

Am Nachmittag boten wir Nora etwas Futter an, dass sie zögernd annahm. Der kleine Hund taut zuhause fröhlich auf, spielt mit Lady, spielt mit Chica, bringt ihr Bällchen, holt alles mögliche hervor und herbei. Nur sobald einer der großen Nachbarshunde bellt - bricht ihre ganze kleine Welt sofort zusammen und sie verkrümelt sich in eine Ecke.

 

Montag 15.05.2006

Die tagelange Handfütterung zeigt endlich kleine Erfolge. Nora frisst - wenn man ihr die ersten zwei-drei Happen ins Mäulchen schiebt, dann auch selbstständig aus ihrer Schüssel. Inzwischen hat Nora ein klein wenig zugenommen, nur 120 Gramm, aber immerhin etwas. Das ist nicht viel, aber es ist ein kleiner Erfolg. Heute meinte mein Herr Sohn: "Die Kleine bleibt hier!" Denn gerade an Björn hat sie sich sehr angeschlossen und dackelt ihm sprichwörtlich überall hinterher.

  Hier frisst Nora zum erstenmal selbstständig aus einer Schüssel!

 

Dienstag 16.05.2006 - Montag 22.05.2006

Nora tappert täglich mit mir ins Büro, verbringt einige gute Stunden damit zu spielen, Leute anzubellen und sich mit jeder Menge Unfug zu beschäftigen. Sie bringt auch Leben in unsere Nächte, denn sie kommentiert wirklich jeden Blödsinn den sie hört, mit einem dumpfen "dicke-Backen-Wuff"!  An Schlaf ist da - zumindest für mich - nicht viel drin, denn ich schlafe schon eh und je nur mit einem Ohr fest, das andere Ohr ist irgendwie immer bei den Hunden und somit bin ich bei jedem noch so gedämpftem "Wuff" wieder wach. Nachzulesen unter Textgeschichten...

Freitag Nachmittag fing das mit dem blutigen Durchfall erneut an und wir düsten wieder zum Tierarzt. Er gab Nora nun eine Spritze zum beruhigen des Magen - Darm -Traktes. So weit, so nett, Nora war ansonsten ja fit und munter. Sie futtertete jetzt schon recht vernünftig, wenn auch immer noch so, dass sie die ersten Bissen aus der Hand braucht, den Rest frisst sie dann schon von ganz alleine aus ihrer Schüssel. Wir stehen zwar immer noch dabei, aber wir schauen auch nur noch zu und "sichern" ab, dass keiner der anderen Hunde in ihren näheren Radius kommt. Tildchen und Nora fressen im Flur, keine Trennung mehr dazwischen und wenn Nora ab und zu unsicher um sich schaut, dann merkt sie jetzt doch, es geschieht ihr nichts und sie kann ungestört ihre Mahlzeit einnehmen. Samstag waren wir um kurz nach 11 Uhr wieder mit ihr beim Tierarzt, für die zweite Magen - Darm Spritze. Noch in der Praxis bemerkte unser Willi, dass Nora eine dick geschwollene Pfote hatte. Wir gingen von einem Insektenstich aus und dachten uns bis dahin nichts weiter dabei. Rund eine halbe Stunde später, dann schon zuhause, hatte die kleine Hundedame 3 von 4 Pfoten dick geschwollen, verschiedene Gelenke waren ebenfalls angeschwollen und als es innerhalb kürzester Zeit auch im Gesicht los ging, packte ich sie erneut ins Auto und fuhr sie zum TA. Nora hat eine hübsche Allergie auf das Medikament das sie gespritzt bekam. Jetzt bekam sie zum abschwellen Cortison gespritzt. Der einzig gute Nebeneffekt von Cortison ist, es macht Hunger! Nora frisst endlich, ohne groß erst nachzudenken und zu mäkeln, alles was ihr vor die Nase kommt. Sonntag über Tag kam so langsam unter dem "aufgedunsenem " Fell wieder der Dackel zum Vorschein und am Nachmittag war sie fast wieder die Alte. Ein Besuch gemeinsam mit Tildchen bei Meiner Ma brachte sie auf andere Gedanken, Sittiche jagen wurde Nora verboten und so saß sie schließlich bei meiner Ma auf dem Schoß und lies sich kraulen. Heute früh hatte Nora fast wieder ihre alte Form und wir fahren heute Nachmittag nochmal zum Tierarzt wegen ihrem Durchfall. Bin gespannt, was er ihr diesmal gibt und wie die Reaktion darauf ausfällt. Denn auch die Tabletten, die sie letzte Woche bekam, hat sie nicht vertragen, daraufhin wurde ihr schlecht. Nun haben wir in Nora auch noch einen Allergiehund zuhause... man gönnt sich ja sonst nichts, oder?  *seufz & lächel*

Dienstag 23.05.2006 - Montag 05.06.2006

Nachdem unsere Nora nun wieder normale Körperformen hat und die Behandlung gegen ihr Darmbluten nicht fortgesetzt werden konnte, scheint sich das kleine Hundetier selbst zu heilen. Ihr Stuhlgang wird allmählich fester, der Blutanteil weniger und auch sonst scheint es ihr endlich besser zu gehen. Sie frisst immer noch mit Begeisterung (das Cortison wirkt nach), was für uns eine enorme Erleichterung ist. Auch wenn das Hundemädchen der Meinung ist, dass Hundefutter pur für sie nicht so das Wahre wäre - aber gekochte Kartoffeln mit Schale und Hundenassfutter nimmt sie nun ohne Mucken und sogar aus ihrer Schüssel an. Wir konnten mittlerweile die Handfütterung komplett einstellen und sind sehr froh darüber. Nora frisst jetzt mit den anderen Hunden gemeinsam, Sichtkontakt besteht und die Entfernung zu Tildchens Futternapf beträgt vielleicht noch 1,5 Meter. Auffallend ist, dass Nora Nudeln offenbar nicht mehr verträgt, denn daraufhin erbricht sie. Na gut - mit Kartoffeln ist sie ja auch zufrieden, auch Reis geht ganz gut - so kann ich ihr im Wechsel immer mal wieder etwas anderes zu fressen anbieten. Ich habe jetzt begonnen ihr nach und nach unser Flockenfutter unterzumischen und den Kartoffel - bzw. Reisanteil langsam zu reduzieren. Mittlerweile sieht man die Rückenknochen nicht mehr so vorstehen und das kleine Hundetier nimmt langsam aber stetig zu. Zuhause taut das Mädchen immer weiter auf, wird frech und vor allem laut. Wobei das permanente Gebell in Verbindung mit Rückwärtsgehen immer noch als Zeichen von Angst zu werten ist. Nachbar Rudi scheint sie zu fürchten, wobei er sie überhaupt nicht beachtet - seiner Wege geht und sie völligst ignoriert. Vor seiner Frau legt sich langsam die Angst und Nora bellt nur noch kurz. Petra spricht sehr ruhig mit ihr über den Zaun hinweg und wenn ich Nora auf dem Arm habe, streichelt sie das Hundemädchen auch mal. Dadurch merkt Nora nun, dass ihr die Leute hinter dem Gartenzaun ja eigentlich nichts tun und ihr Gebell wird langsam seltener und klingt nun auch schon weniger hysterisch. Auch die große Angst vor fremden Hunden wird ganz langsam besser. Begegnungen mit kleinen Hunden klappten von Anfang an problemlos, mittlerweile passieren wir auch schon größere Exemplare etwas flotter und ohne ganz hart eingeklemmten Wedel. Nur bei ganz großen Hunden zeigt sich diese Riesenangst immer noch, wobei hinterm Gartenzaun schon keine Ängste mehr zu sehen sind. Solange Nora innerhalb des Grundstückes ist und großer Hund vor dem Zaun, zeigt sie sich gelassen und ohne Gebell. Da bleibt sie sogar liegen oder geht mal nach vorn.... allerdings nur mit der Deckung der anderen Hunde im Rücken. Gemeinsam mit den anderen 3 Hunden ist sie mutig genug, am Zaun zumindest den direkten Sichtkontakt aufzunehmen.

Das Gassigehen üben wir noch. Aber auch hier zeigen sich allmählich Fortschritte. Wollte die Dackeline anfangs nicht mal 5 Meter mitgehen, trabt sie nun schon die komplette kleine Runde mit. Sie leckt sich dabei noch sehr häufig die Schnauze, gähnt hektisch - der Hund hat dabei immer noch Stress und man merkt es ihr deutlich an. Doch der Schutz und der Zug durchs Rudel ist stärker... sie läuft endlich mit, verweigert sich nicht mehr indem sie stehen bleibt und nicht mehr zu bewegen ist. Zeitweise trägt sie die Rute dabei schon nicht mehr so untergeklemmt, sondern etwas entspannter. Wenn sie das erste Mal den Wedel auf einer Runde oben trägt, dann haben wir viel erreicht und gewonnen - doch bis dahin wirds noch eine geraume Zeit dauern.

  noch trägt sie ihren Wedel sehr untergeklemmt.Ängstlich schaut sie sich immer wieder um.  Hier trabt sie neben Lady schon recht ordentlich voran.

Das Rudel gibt ihr Sicherheit und langsam wird es besser mit Nora - sie läuft endlich mit.

 ich - mit den 4 Rabauken unterwegs im Feld.

Wir sind mit den kleinen Fortschritten in der relativ kurzen Zeitspanne sehr zufrieden. Sicher gibt es auch Tage dazwischen, da fängt man wieder von vorne an. Da erschrickt sie vor jedem Windzug, haut ab - sobald es irgendwo in den Büschen raschelt, bellt sich rückwärts weil Jemand auf sie zukommt- doch, es fällt inzwischen leichter sie dann an die Panikursache wieder heran zu führen, eine Art Neustart mit ihr zu machen. Der Hund ist intelligent, lernt leicht - lediglich der Dackelsturkopf verhindert häufig, dass Nora das tut was wir gern von ihr hätten. Sie liebt Björn abgöttisch, sobald er irgendwo in Sicht ist, folgt sie ihm wie ein kleiner Schatten. Seit sie bei ihm im Bett schläft, schläft sie tatsächlich und unterhält uns nicht die ganze Nacht mit ihren gedämpften Wuffs. Auch wenn mein Sohn nicht daheim ist, liegt sie auf seinem Bett und ist entspannt. Still wartet sie auf ihn, bellt lediglich lauthals los, wenn er Nachts von der Arbeit kommt, beruhigt sich aber schnell wieder und ist überglücklich in seiner Nähe sein zu können. Morgens übernimmt Nora den Weckdienst, sehr zu meiner Freude, denn sie schafft es deutlich schneller meinen Sohn aus dem Bett zu treiben, als ich.

  Gegen diesen Wecker hat mein Sohn keine Chance!

 

Inzwischen ist Nora fast stubenrein, leider meldet sie ähnlich wie Tildchen, indem sie stumm vor der Türe steht wenn sie mal raus möchte. Natürlich gehts auch noch ab und zu daneben, aber was solls - sie muss es ja erst einmal lernen. Und sie lernt es, davon sind wir fest überzeugt.  

Chica war zwischendurch mal wieder für ein paar Tage und Näche hier, mit ihr hat sich Nora inzwischen abgefunden. Die alte Hündin stört sich nicht an Nora, akzeptiert sie wie sie ist und lässt sie absolut in Ruhe. Umgedreht versuchte Nora wieder und wieder die alte Hundedame zum spielen zu animieren - was ihr tatsächlich immer wieder mal für ein paar Minuten gelang. Nora entdeckte mittlerweile unsere Türschlange vor der Kellertüre und beschlagnahmte das Zuglufttier als ihr Spielzeug. Zu schön ihr zuzusehen, wie das Dackeltier versucht damit zurecht zu kommen.

 

Nora versucht die Türschlange wegzutragen und Lady fordert Nora zum spielen auf.

Auch mit Lady spielt Nora sehr schön und stört sich inzwischen nicht mehr an Ladys fröhlichem Gebell beim spielen. In den letzten Tagen beobachteten wir häufig, dass die beiden Hundemädchen wie die Wilden um unseren Pool fegten. Ungezählte Runden, immer drumherum. Wer nun wen jagte war beim besten Willen nicht mehr festzustellen, aber es war einfach schön zu sehen, welchen Spaß die beiden Hunde daran hatten sich gegenseitig zu jagen. Einen kleinen nächtlichen Machtkampf gab es zwischen Lady und Nora, doch auch der ging ohne Blessuren ab. Lady wollte zu Björn ins Zimmer und Nora fiel Lady von hinten an - Eifersucht! Kurz und bündig zeigte Lady ihr wo es lang ging, immerhin ist unsere Schwarzweiße die Rudelführerin und sie lässt sich da auch auf keine größeren Diskussionen ein. Nun weiß Nora wo sie im Rudel steht und es gab ab da kein Gerangel mehr um irgendwelche Rechte.

Gesundheitlich gehts bergauf, mit dem Vertrauen gehts bergauf, mit der Erziehung gehts bergauf - wir sind soweit zufrieden mit dem Erreichten bis jetzt.

 

Dienstag 05.06. - Montag 19.06.2006

Unsere kleine Angstmaus Nora macht Fortschritte und dies wird vorerst der letzte Bericht über sie sein, denn allzuviel Neues gibt es vorläufig nicht zu berichten.

Nora taut weiterhin fröhlich auf, zuhause trägt sie ihrem Wedel stolz über dem Rücken, stellt die Schlappohren aufmerksam nach vorn und zeigt sich an allem interessiert. Den Garten hat sie gründlich inspiziert, jede noch so kleine Ecke unseres Grundstückes hat sie mit der Nase mittlerweile erkundet, im Haus ist sie selbstsicher und frech. Ihr bevorzugter Ruheplatz ist das Sofa, aber nicht so wie ein normaler Hund ein Sofa nutzt, sondern sie legt sich oben auf die Rückenlehne. Damit  hat sie einen Überblick über das gesamte Wohnzimmer und leider auch freie Sicht zur Straße hin. Denn wenn sie dort oben thront sieht sie jeden Fußgänger, jeden Hund, jedes Auto und jede noch so kleine Bewegung. Nora ist ein kleiner Kläffer! Egal was immer sie sieht, hört oder meint zu sehen und zu hören, sofort bellt sie durchdringend los. Es ist zwar schon deutlich weniger geworden, aber im Vergleich zu den Oldies ist sie mit Abstand der lauteste Hund im Rudel.

  Noras Stammplatz ist auf der Rückenlehne vom Sofa.

 

Nora hat lange Zeit nur mäkelig gefressen, was wohl auch an ihren schlechten Erfahrungen an der Futterstelle gelegen hat. Inzwischen steht sie, wie die anderen Drei, beim Futter machen hinter mir - noch stumm, aber aufmerksam. Sie bekam anfangs nur gekochtes, also Kartoffeln und Reis oder auch mal Nudeln, immer mit Fleisch oder Huhn. Inzwischen ist es uns gelungen sie Schritt für Schritt auf normales Hundefutter umzustellen, allerdings braucht sie für die ersten ein - zwei Bissen immer noch ihren Löffel Hüttenkäse, sonst frisst sie nicht selbstständig. Leckerchen nimmt sie mittlerweile an, aber nicht zum fressen, sondern um damit herum zuspielen - kommt ihr dann aber einer der anderen Hunde zu nahe, frisst sie es dann doch. Mit Kaustäbchen oder getrockneten Schweineohren kann sie absolut nichts anfangen - aber wir denken, dass kommt ebenfalls noch und braucht einfach seine Zeit. Nora kennt ihren Futterplatz, weiß inzwischen das ihr keiner etwas wegnimmt und frisst in der Gesellschaft unserer anderen Hunde. Auch wenn Chica da ist gibt es beim Füttern keine Probleme, das Dackelmixmädchen geht zu seinem Futterplatz und wartet bis das Schüsselchen unten steht. Sie putzt ihre Schüssel noch nicht, aber sie frisst ihre Portion auf und sortiert nicht mehr vorher durch oder trägt Happen für Happen in Sicherheit. Die Schweinerei beim Fressen ist damit völlig hinfällig und wir brauchen ihr nicht mehr mit dem Futter folgen oder sie aus der Hand anfüttern - geschweige denn ständig hinter ihr her wischen.

Nora beginnt zu melden, wenn sie raus muss. Auch ein kleiner Erfolg, denn wie oft ging gerade am Anfang ihr Bächlein unkontrolliert ins Wohnzimmer. In ca. 4 Wochen werde ich wohl endlich neue Teppiche fürs Wohnzimmer anschaffen können, ohne das diese gleich wieder gelbe Fleckchen bekommen. Inzwischen geht Nora fast freiwillig abends ihre letzte Runde durch den Garten - es klappt noch nicht immer - wird aber ständig besser. Sie orientiert sich stark an den anderen Hunden, gerade an Lady, die absolut sauber ist und die Kleine ein wenig unter ihre Fittiche genommen hat. In Lady hat sie ihren Meister gefunden. Lady zeigt ihr sehr schön, dass ein Hund ihr nicht zwangsläufig was böses will, nur weil er mal bellt! Mit Lady spielt sie ausgelassen, tobt um den Mini-Pool - manchmal auch dann noch, wenn Lady längst auf der Terrasse sitzt und sich wundert wen die Kleine eigentlich verfolgt. Gekracht hat es auch schon zwischen den beiden Weibern. Klar, die Stellung hier im Rudel musste geklärt werden und Lady behielt auch weiterhin die Oberhand. Zur Zeit versucht Nora auszuloten was sie sich uns Menschen gegenüber heraus nehmen kann und darf, sie begreift aber sehr schnell das es nicht immer nach ihrem Kopf und ihren Zähnchen geht. Bei all ihrer Angst, eines hat sie doch - einen verdammten dackeligen Dickkopf! Wenn sie etwas partout nicht möchte, dann zeigt sie uns das auch sehr selbstbewußt und deutlich.

Beim Gassi gehen sieht sie sich immer noch scheu um und bleibt konsequent in der Nähe der anderen Hunde. Dennoch macht sie auch hier Fortschritte, sie läuft nicht mehr so extrem geduckt und auch das Wedelchen wird schon ein wenig entspannter getragen.

Norchen lebt sich immer weiter ein, probiert natürlich aus was geht und was nicht geht, interessiert sich für alles und jedes, steckt ihre schlanke lange Nase überall hinein und erkundete inzwischen auch mal eine große Blüte mit ihrer schwarzen kleinen Nase. Leider war diese Blüte gerade in diesem Moment besetzt und das winzige Tierchen wehrte sich gegen die allzu neugierige Dackeline. Seit diesem Tag umgeht Nora weiträumig alles was summt. Sie lernt schnell, begreift schnell, nur ihr Sturkopf verweigert ihr hin und wieder das auszuführen was wir von ihr wollen - aber auch das wird täglich besser.

Nora bleibt inzwischen auch stundenweise allein zuhause, sie hat ja Gesellschaft von den anderen Hunden, wollte aber Anfangs nicht mal mit deren Gesellschaft alleine im unteren Teil des Hauses bleiben. Sie weinte bitterlich hinter uns her - inzwischen parkt sie sich dann auf der untersten Treppenstufe und schläft. Langsam dehnen wir die Zeitspanne des Alleine bleibens aus und sind mittlerweile bei etwas über 2 Stunden angekommen, ohne das irgendwo ein Pfützchen ist oder sie das halbe Viertel zusammen heult und bellt. 

In den 6 Wochen die das schüchterne, aber durchaus muntere Dackelmixmädchen nun hier ist, hat sich viel zum Guten hin verändert und wir sind alle recht zufrieden mit der kleinen Maus. Die Oldies sind halt doch geduldige Hunde, die ihr auch mal den einen oder anderen Blödsinn durchgehen lassen, ihr aber auch ganz klare Grenzen setzen, ihr deutlich machen wann es genug ist. Nora arrangiert sich mit den alten Hunden sehr gut, auch wenn sie hin und wieder unsere Mini über den Haufen rennt, Semi gelegentlich übermütig in den dicken Hintern zwickt und Lady mit ihrer Spielsucht bald zum Wahnsinn treibt. Nora schafft das, was kein anderer Hund seit Rocky wirklich geschafft hat, sie überzeugt die alte Chica davon, dass man auch mal mit ihr ein kurzes, steifes Spielchen machen kann. Obendrein ist unsere Nora ein “Schnullerhund”, sie schleppt stets und ständig ihr Spielzeug mit sich herum, kaut darauf herum und schläft sogar damit ein. Ihr bevorzugtes Spielzeug ist ein quitschender Gummischuh und da sie ihn mehr oder minder ständig in der Schnute hat, sieht es aus, als hätte sie einen Schnuller.

Gesundheitlich ist Nora inzwischen fit. Kein Durchfall mehr, kein Blut mehr im Stuhlgang und auch kein Erbrechen mehr. Sie hat schön zugenommen, sieht nicht mehr klapprig aus und ihr Fellchen glänzt in der Sonne.

Nora hat zwischenzeitlich ausprobiert, ob der Rhein wirklich nass ist - und bei einer sanften Welle den Rückwärtsgang eingelegt - nasse Pfoten waren ihr genug. Sie hat ausprobiert ob Torf schmeckt und festgestellt, den sieht man ganz schnell wieder. Sie hat ausprobiert was passiert, wenn man auf der Sofarückenlehne einschläft und herunter purzelt - dennoch liegt sie jeden Abend wieder dort oben. Sie musste testen, ob der volle gelbe Sack für einen Hund in ihrer Größe ausreicht und kam etwas zugemüllt, mit einem Deckel vom Pudding an Ohr klebend, wieder zum Vorschein. Sie musste unbedingt ausprobieren, ob man dem Großen ungestraft in den Po kneifen darf und lernte das Semi sich das nicht gefallen lässt. Sie musste feststellen, dass sie häufiger allein um den Pool rast, während Lady bereits auf der Terrasse sitzt und ihr grinsend zusieht. Sie stellte fest, dass hinter der Hecke auch noch ein solider Zaun ist und das es wehtut, wenn man mit Karacho der Katze nachgeht und nicht rechtzeitig bremst. Sie weiß nun, dass Bienen sich wehren, wenn man ihnen zu Nahe kommt und sie weiß jetzt auch, dass Tildchen tatsächlich noch über wenige - aber sehr wehrhafte - Zähnchen verfügt, wenn man die Mini umrüpelt.

Nora entdeckt ihre Welt - ähnlich einem Welpen hat sie eigentlich nur Unfug im Kopf. Wäre ihre Angst nicht, dann wär sie ein völlig normaler, junger und ungestümer Hund. Doch ihre Angst ist manchmal gar nicht so schlecht und lässt sie manche Dinge dann doch nicht tun. Nora wird eines Tages ein normaler, gesunder und nicht mehr ängstlicher Hund sein - der Anfang ist gemacht und sie zeigt täglich mehr Zutrauen, Vertrauen und Selbstständigkeit. Es dauert sicher noch eine Zeit, aber es wird - da sind wir alle zuversichtlich.

 

Ein windiger Schnappschuß  Noras Segelohren im Wind !

 

Update Mai 2009

Nora hat in den vergangenen Monate vieles hinzugelernt. Inzwischen geht sie freudig gassi, der Wedel wird dabei nicht mehr untergeklemmt getragen. Auf ihr bekannten Wegen wedelt sie unterwegs sogar schon mal vereinzelt. Sie orientiert sich stark an Michael, der gern und viel auch alleine mit ihr unterwegs ist. Nora frisst seit vielen Monaten gut und gern - wenn auch nur zuhause und keineswegs alles! Allerdings neigt sie bei Veränderungen im Rudel dazu, ihre Futteraufnahme drastisch zu reduzieren. Darauf muss man bei ihr extrem achten, dass sie in außergewöhnlichen Situationen nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück fällt. Ihre Angst und damit íhre Übersprungshandlungen (nach vorne gehen und zubeißen) werden nach und nach immer weniger. Seit inzwischen 3 Jahren üben wir mit ihr geduldig Besucher empfangen, sie nicht zu attackieren. Inzwischen funktioniert es in soweit, dass Nora sobald die Besucher sitzen, es akzeptiert und sich friedlich verhält - ja sogar hin und wieder den Kontakt zu Gästen sucht. Jedoch muss sie nach wie vor gesichert sein, denn sobald der Besuch sich erhebt, wird Nora unsicher und geht vor. Wir haben das Problem mit diversen Trainern durchgesprochen - KEINER der konsultierten Trainer hat verstanden, warum man mit dem Fress &Verhaltensgestörtern Hund nicht mit Leckerchen / Futterbeutel / Belohnungskeksen etc. arbeiten kann. Bei 3 von 4 Trainern hatte ich irgendwann den Eindruck sie verstehen gar nicht WO das Problem liegt, bzw. sie können sich nicht vorstellen, dass ein Hund nicht auf Leckerlies abfährt, geschweige denn eine Fressstörung haben kann. Und - man gewann den Eindruck, diese Trainer hören NICHT zu. Oder sie können von ihrer eingefahrenen Schiene nicht runter, sich nicht individuell auf das gestörte Tier einstellen. Also sparen wir uns das Geld und versuchen weiterhin Nora mit unseren Möglichkeiten in Richtung "normaler" Hund hinzuwenden. Nur bei einer Trainerin absolvieren wir hin und wieder weitere Stunden, das Thema heißt aber: Selbstvertrauen gewinnen, Sicherheit erlangen und sich an Frauchen / Herrchen orientieren. Das alles geht auch ohne Futter. Danke an Dorothee, das sie uns zuliebe auch ein großes Stück weit umdenkt.

Im Großen und Ganzen ist Nora zuhause mit uns alleine, ein ruhiger, freundlicher und verspielter Hund. Auch unterwegs ist alles okay, solange nicht zuviel auf sie einstürmt. Mittlerweile dürfte sie fast 4,5 Jahre alt sein.. und sie beginnt jetzt schon sehr grau um die Nase und Augen zu werden. Stress bleibt halt doch nicht nur in den Nerven hängen..

*** vorerst Ende***

weiteres über Nora erfahren Sie in "Die Zeit vergeht.." unsere Überblicke in halb Jahres Schritten.

 

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