Ungarn 25.-26.05.2007

 

Freitag morgen den 25.05.2007 um 05:45 starteten wir von Zuhause nach Ungarn, der Transporter vollgeladen mit Transportboxen und in diesen einen Berg Decken, Futter, Näpfe und andere Spenden. Unser Treffpunkt mit dem zweiten Transporter war kurz hinter Würzburg auf dem Rasthof Haidt - auch dieser Tansporter war voll mit Boxen und Spenden.

 unser Transporter, in den Kennels sind Decken, Futter & Zubehör

Zügig stieg Frau S.bei uns zu, sie war sozusagen die Reservefahrerin. Wir hatten mit dem Ungarn- Team besprochen in einem Zug nach Ungarn durchzufahren, dort die reservierten Tiere zu laden und direkt - also ohne Übernachtung - auch zurück zu fahren. Wir wollten die Kühle der Nacht nutzen um die Tiere nicht mit der Hitze des Tages unnötig zu belasten. Im großen Transporter vor uns saßen 2 Leute, wir waren zu dritt und Frau S. sollte überall da als Fahrerin einspringen, wo die "Stammfahrer" mal eine Runde schlafen mußten, um wieder fit zu werden. Flott gings bis zur Grenze nach Österreich. Frau S. schlief vor, ich fuhr unseren Transporter, während Micha neben mir im Sitz hing und döste. Ebenso flott durchquerten wir mit den Autos Österreich, es gab allerdings eine kurze Navigationspanne vor Wien - durch eine Baustelle verpassten die Fahrer des großen Transporters den Abzweig Richtung Ungarn. Wir trafen uns an der letzten Raststätte vor der Grenze wieder  - zum Tanken, einen Kaffee trinken und dann gings flott auf ungarischen Straßen weiter.

 Der große Transporter fährt zügig vor uns her.

Erschreckend in Ungarn ist der Fahrstil der Einheimischen - entweder sie kamen nicht vom Fleck oder sie klemmten einem nur wenige cm hinter der Stoßstange und das bei der erlaubten Geschwindigkeit von 130 km/h. Manch ein Überholmanöver trieb uns die Gänsehaut hoch...auch auf den Landstraßen wurde sehr undiszipliniert, schnell und rasant gefahren und vor allem überholt.  

Je weiter wir nach Ungarn hinein kamen, desto deutlicher wurde uns die Armut vor Augen geführt. Kleine Ortschaften mit noch kleineren Häusern.. teils schön renoviert, teils verlassen und zerfallen, teils in sehr schlechtem Zustand und teilweise liebevoll erhalten, mit dem Wenigen was man zur Verfügung hat.

 ein recht gut erhaltenes ung. Haus

In fast jedem zweiten Hof ein Kettenhund... selten mal einer frei im Hof und Gelände, noch seltener mal einer der mit Herrchen am Straßenrand "Gassi" ging. Trotz großer Armut fiel uns einiges auch positiv auf. Es gab in keinem Ort Müll in den Straßengräben, es war in fast jedem Ort viel Begrünung am Straßenrand, teils mit bunten Blümchen bestückt, sehr gepflegte Gemüsegärten und sofern vorhanden - auch gepflegte Rasenstücke. Die Leute, die wir auf den Straßen in diesen kleinen Ortschaften zu sehen bekamen, sahen von der Kleidung her alle sehr "zerrupft" und schmuddelig aus - man sieht überdeutlich wo Geld ist und wo man eben keines oder nur sehr, sehr wenig zur Verfügung hat. Je weiter wir Richtung Balaton kamen, desto schmaler wurden die Straßen - desto hektischer wurde der Verkehr, da jeder meinte irgendwie den Anderen noch schnell überholen zu müssen - die Ortschaften wurden immer kleiner und die Entfernungen dazwischen immer größer.

 absolut sauber, eine Ortsdurchfahrt auf dem Weg nach Szekszard

Unser erstes Ziel war Szekszard. Um 20:25 trafen wir in der Auffangstation ein. Bisher kannten wir diese Station nur von Bildern. Die Fotos gaben die Armut und die Zustände nicht wirklich erkennbar wieder. Was wir da sahen, war sehr tiefgreifend und ging uns, die noch nie dort gewesen waren, deutlich an die Substanz. Das Team des großen Transporters kennt diese Station seit Jahren - sie kennen den Anblick, wissen schon lange wie es dort zugeht, woran es fehlt und welche armen Verhältnisse dort Mensch und Tier aushalten. Im Sommer brütende Hitze, nichts was Schatten spendet. Im Winter klirrende Kälte mit bis zu über  -25° ohne Heizung.

Wir wurden von den Betreibern der Station freudig begrüßt und erwartet. Mit einem Gemisch aus Englisch - Deutsch und Händen und Füßen unterhielt ich mich mit der Stationsleiterin. Eine durchaus interessante Unterhaltung - da man mich direkt als "Tildchen - Mama" erkannte und natürlich wissen wollte, wie es der Mini heute geht, die man 3 Jahre in dieser Station verpflegt und versorgt hatte. Im nachhinein wurde uns schweren Herzens klar, dass es für unsere Mini 3 schreckliche Jahre gewesen sein müssen, trotz der Liebe die sie auch dort von den Leuten bekommen hat. Wir luden ab... Jeder packte mit zu, egal ob Ungar oder Deutscher, Männlein oder Weiblein - jeder verfügbare Mensch trug, stapelte und sortierte Futter, Decken, Schüsseln, Handtücher, Leinen, Halsbänder und und und im Vorraum zur "Quarantäne". Der Spendenberg war auch diesmal recht beachtlich. Danach durften wir zu den reservierten Hunden. Wir betraten den dusteren Raum... eine kleine Funzel hing von der Decke, eine andere Lichtquelle gab es nicht. Ohrenbetäubendes Geheul schlug uns entgegen - aber keins das wehmütig gewesen wäre - ein großer Husky heulte seine Arien, er freute sich einfach jemanden zu hören. Denn sehen konnte er uns noch lange nicht.  

Bild unten: Die Betonboxen - Unterkunft der Neuzugänge und der kleinen Hunde. Obenauf die Klappen zum hinein sehen.

Keine Heizung im Winter!

In diesem Raum verbrachte auch unsere Mini 3 ihrer Lebensjahre. Betonboxen - davor in etwa gleicher Größe eine Art Auslauf und neben jeder Box ein Gitter wo Hund kaum durchsehen konnte, da diese Stäbe auch einen Bären aufhalten würden. Der Geruch war erschlagend. Helligkeit kam nur durch diese kleine Funzel an der Decke oder durch das "Bärengitter" neben den Boxen herein. Überall alte rostige Kochöpfe - ab und zu sahen wir eine der Futterschüsseln des letzten Spendenaufrufs auf einer der Boxen stehen. Auf den Boxen sind Klappen - diese kann man zum rein sehen öffnen...

 zwischen den Boxen gehts zu den "Bärengittern" 

er hier kann nur die Nase durch das Gitter stecken

 Er durfte mit - hier steht er am Gitter und freut sich jemanden zu sehen.

In jeder der Boxen mindestens 2 - manchmal auch 3 oder 4 Hunde. Je nach Größe und Zugehörigkeit sortiert. Es saß also kein Schäferhund mit einem Dackel zusammen - aber in manchen Boxen wars schon recht eng. Die Tiere hatten in den Miniausläufen alle Wasser stehen, eine leere Futterschüssel und in der Betonbehausung eine Decke. Auch hier erkannten wir die eine oder andere Decke vom letzten Spendenaufruf wieder. In einer dieser Boxen lagen zwei kranke Hunde, die kurz vor uns dort eingetroffen waren - diese regten sich überhaupt nicht, hoben nicht einmal die Köpfe. Einer von ihnen war verletzt, der andere völlig apathisch. Sollten diese beiden Hunde überleben und gesund werden, dürfen sie in ein paar Wochen mit nach BRD.

Die von uns reservierten Tiere waren alle recht munter. Auch Toto freute sich den vorhandenen halben Wedel ab, als er endlich Ansprache bekam. Ein überaus freundlicher kleiner Hund, der trotz seiner fehlenden Sehkraft ausgesprochen zielsicher in seiner Box umherlief.

Es folgte der Besuch der "Außenhaltung". Stahlzäune, ehemalige Baumatten, verbunden mit Kabelbindern und rostigen Schrauben, dienen als Umzäunung und Abgrenzung der einzelnen Rudel voneinander. Die Weite der Maschen wurde schon so manch einem Hund zur Falle - den Kopf einmal ins falsche Gehege hinüber gesteckt, konnten sie sich selten lebend oder wenigstens unverletzt wieder zurück ziehen. Auf diese Art kam vor einigen Monaten der vom Tierheim reservierte Dalmatiner zu Tode.

Diese Hündin verlor durch so eine Situation ihr Ohr.

 

Elend!   Armut!

In diesen Außengehegen gibt es nichts! Und mit nichts - meine ich auch Nichts! Kein Gras, keine Bäume, kein Schutzdach - Nichts. Sand, Löcher, rostige Kochtöpfe mit undefinierbaren Futter oder auch keinerlei Inhalt und nur diese kleinen, kalten Plastikhundehütten umgeben von den Baumatten. In den Außengehegen im Sommer keine Decken in den Hütten - da ein großer Teil der Hunde alles zerstört. Im Winter werden abends Decken eingelegt - morgens dann nur noch Fetzen ausgekehrt. Das erklärt auch, weshalb ständig wieder neuer Deckennotstand ausbricht. Die Decken, die in Ordnung sind, werden gewaschen und wieder verwendet - manche Hunde sind nicht zerstörerisch veranlagt und kuscheln sich dann auch tatsächlich ein. In Rudeln bis zu 40 Tieren sitzen sie in den Außengehegen - getrennt nach Groß und Mittel - kleine Hunde sind schon mal allein in einem kleineren Gehege. Wasserschüsseln.. ja, gab es auch - allerdings waren viele umgeworfen, zerkaut oder einfach nur leer. Der Zustand des Geländes ist sehr ernüchternd - Löcher im kargen Sandboden - hin und wieder ein einsames Grasbündel, viele der Plastik & Holzhütten, keine Dächer die Schutz vor Sonne oder Regen oder Schnee geben. Kein Baum, kein Strauch der Schatten spendet. Nur ein einziges Gehege hat eine Art Carport Teilüberdachung ( auf dem Bild oben rechts zu sehen)

 

Baumattenzäune, Holzhütten, Plastikhütten, Löcher, leere Schüsseln, kein Grashalm - NICHTS!

 

Ich hätte gerne mal eine Nahaufnahme des seltsamen Futters gemacht, aber verständlicherweise liesen mich die Hunde nur ungern in die Nähe ihrer Futtertöpfe und Schüsseln. In 98 % der Futterbehälter war nichts drinnen, in 2-3 Töpfen lag einfach nur trocknes Brot, in einen Topf konnte ich gekochten Reis und einen anderen gekochte Nudel - trocken ohne was dabei - indentifizieren. Der Rest war irgendeine rötliche Pampe aus Schlachtabfall mit Brot und Brühe - nicht wirklich definierbar und auch nicht gerade einladend. Nur - man füttert was man gerade bekommen kann - wenns nichts gibt, dann gibts eben nichts und wenns nur Pampe gibt, gibt es eben nur Pampe. Auffallend auch hier - die Gehege waren alle sauber - soweit das möglich war. Sicherlich liegt hier das eine oder andere herum - aber trotz der großen Rudel, keine Fäkalien in größeren Mengen. Am Rande standen Besen, Schaufel, Eimer und Rechen - sichtbar viel benutzt, alt - aber funktionsfähig.

  rostige Schippe, Eimer und ein Stück Plastikplane...

 in diesem Auslauf gibt es wenigstens einige Büschel Unkraut... im Hintergrund wieder die unzähligen Plastikhütten. Der Boden ansonsten karg, staubig und voller Löcher.. kein Futter in diesem Gehege, jedoch fast 20 Hunde.

 - Ohne Worte - 

Die nachfolgenden Bilder zeigen zum Teil den vorderen Bereich in dem auch die Patenhunde teilweise frei herumlaufen. Dieser Teil dient als Terrasse der Betreuer - die dort in einem Raum leben.

 Sie darf nächstes mal mit - leider versteckte sie sich ständig unter dem alten Sessel.

Lora ist durch eine lieben Bekannte von uns schon lange durch Patenschaft gesichert.  

 auch er / sie ist Paten gesichert.

die kleine "Öreg" - totkrank, durch Patenschaft gesichert.

 

ebenfalls durch eine liebe, uns gut bekannte Patin abgesichert - Schäferhündin Lady, schwer Krebs krank

 Saci - gesprochen Schatzi - gesichert durch Patenschaft, sie ist sehr ängstlich - beobachtet lieber aus der Ferne.

 

Nach dem kurzen Überblick über die Station wurden neue Hunde ausgewählt und reserviert.. sie dürfen das nächste mal mit.

Wir begannen die von uns reservierten und reisefertigen Hunde zu verladen. Alle kleineren Tiere bekamen wir in unsere Boxen - da wir nur über Pet Voyager 400 & 300 und die Doppelbox unserer Dackelinen verfügen. 8 Hunde fanden bei uns Platz - unter anderem zwei Dackelinen die unserer Nora zum verwechseln ähnlich sind. Die größeren Tiere kamen in den zweiten Transporter, der deutlich größer als unserer ist. Die Verladung ging zügig voran und wir konnten bald starten. Auf nach Budapest - wo uns weitere Hunde schon sehnsüchtig erwarteten.

Auf der Fahrt von Szekszard nach Budapest begegneten wir zum erstenmal frei lebenden Hunden, die in der Dämmerung an den Straßenrändern liefen. Wir hoffen sehr, dass in dieser Nacht keins dieser Tiere unter die Räder der durch die Landschaft rasenden Autofahrer gekommen ist... Michael hängt diese Begegnung mit den Straßenhunden immer noch sehr nach. Wie auch die ganze Reise, das Begreifen der Lebenssituation der dortigen Tiere und auch Menschen, ihm noch sehr nach geht. Mich hatte es bereits in der Station kurzfristig "gerissen" - doch ich habe die Fähigkeit mich sehr hart zusammen nehmen zu können und die anfallenden Arbeiten brachten mich recht schnell wieder ins Gleichgewicht. Keine Zeit für Sentimentalitäten - hier wurde jede Hand gebraucht und das war auch gut so.

Wir sahen in Szekszard nur die Auffangstation - RECHTS. Über die Gebäude auf der linken Seite erhielt man keinerlei Auskunft - doch das Jaulen und Schreien der Hunde von dort sagte uns auch so genug. Fotografieren war für die linke Seite mit den großen, gestreckten Hallen und dem dicken Schornstein tabu. Zu sehen war außerhalb dieser Gebäude nichts.

Nach gut 2,5 Stunden weiterer Fahrt trafen wir in Budapest ein. Dort wurde das heißersehnte Welpenfutter ausgeladen, mit viel "Hallo" und "Danke sehr" entgegen genommen. Die Verladung der Hunde ging sehr schnell - bei uns landete noch "Mokka"  - ein Winzlingshund mit Starallüren im Auto und eine kleine, winzige Hundemaus, die dann auf Frau S. Schoß und später auf meinem Arm Platz fand. Während "Mokka" sich auf den nächsten 150 Kilometern als einziger Hund in Operngesang übte und als Krawallschachtel betätigte, schlief der Rest der Hunde friedlich in den Boxen dem neuen Tag und dem neuen Leben entgegen.

Ohne weitere Tankpause fuhren wir bis Östereich durch. Dort kurzer Tankstop, erneuter Fahrerwechsel, nun kam Frau S. zum zweiten mal ans Steuer. Ich übernahm den Winzling, der friedlich in meinem Arm mit mir gemeinsam schlummerte - Micha schlief nach der letzten langen Teilstrecke auch für 2 Stunden. Der Grenzübergang war kein Problem - alle unsere Tiere waren ordnungsgemäß registriert, gechipt, geimpft - wir mußten uns von daher auch keine Sorgen machen - alles lief problemlos. Hinter Östereich übernahm dann Micha für ein Teilstück wieder das Steuer, den anderen Transporter lenkte nun Inge. Die Sonne ging langsam auf - wir waren alle etwas ermüdet. Legten eine kurze Kaffeepause ein, bei der wir dem Minihundchen aus einem Kaffeetassen-Unterteller endlich etwas zu trinken geben konnten. Die Kleine zog viele Blicke auf sich. So winzig und doch ein perfekter kleiner Hund.

 das zarteste Geschöpfchen das mit auf die Reise nach BRD ging. Diese kleine Maus verschlief fast die ganze Fahrt auf Frau S. Schoß oder meinem Arm.

Das Team des großen Transporters fuhr durch - legte keine weitere Pause mehr ein. Dennoch kamen wir nur rund 25 Minuten nach ihnen am Ziel an. Ausladen - alle Hunde verteilen - nur Toto stieg nach einer Pipi und Tränkepause von 25 Minuten wieder in eine Box, er mußte mit uns ja weiter.

Gegen Mittag erreichten wir unser Zuhause. Toto durfte im Vorgarten herum strolchen und tat das sehr ausgiebig - trank Wasser, legte sich in den Schatten. Bis der Anruf seiner Pflegestelle kam, durfte er bei uns ausspannen. Um 14:50 war auch er endlich in seiner Pflegestelle angekommen und ich fuhr nach Hause, duschen, Kaffee trinken und abschalten. Micha lag zu diesem Zeitpunkt bereits festschlafend im Bett. Ich habe mich auf die Terrasse gesetzt, meine Hunde betrachtet - und die vergangenen zwei Tage noch einmal Revue passieren lassen.. es gab und gibt viel an Eindrücken zu verarbeiten. Es war gut, dass wir dabei waren, gesehen haben was da vor sich geht - woran es fehlt und wie wir mit was helfen können....

Abschließend noch ein paar Bilder... Eindrücke, die bleiben werden.

 

 

 

 

****** Ende ******

 

 

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